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Ah! Kosmos + The Eye Of Time – Scheune Dresden | Alle Veranstaltungen

 

Hinter AH! KOSMOS verbirgt sich die Istanbuler Produzentin und Musikerin Basak Günak. Zwei Jahre nach ihrer ersten EP Flesh erschien mit BASTARDS im April 2015 ihr erstes selbst produziertes Album bei Denovali Records, verbunden mit dem Re-Issue der Debüt-EP Flesh, die damit erstmalig auf Vinyl erhältlich ist. BASTARDS gräbt sich tief durch die Oberfläche und verwandelt das Loch in einen lebendigen Raum. Wenn auch Bastarde keine Waisen sind, sind sie dennoch befreit von Modellen oder Besitz und kennen kein striktes Oben oder Unten, kein Richtig oder Falsch. In dieser Grauzone gehen eine Schar roher Sounds und Stimmen eine einzigartige Brüderschaft ein.
Diese väterlose ungleiche Gemeinschaft, die sich versammelt und wieder auseinander fällt, sich trifft und zusammenprallt, entfaltet einen Horizont unendlicher Linien und Kurven, fiebriger Sehnsüchte und endlose Sympathien. Entrückte Ebenen aus Beats, lebendigen Sounds und Texturen kreieren langsam eine echoartige Erscheinung, die sich schließlich zu einem eigenen Universum aus multiplen Rhythmen aufbaut.
AH! KOSMOS teilte in ihrer Heimatstadt Istanbul als Support die Bühne mit Musikern wie DARKSIDE, James Holden, Kiasmos, Two Door Cinema Club, Emika, Daddy G (Massive Attack) und spielte auf bekannten Festivals wie Rock’n Coke, Babylon Soundgarden, Venice Electro Festival, Budapest Punkurica Festival, Piknik Elektronik in Brussels, Tokyo Electronic Music of Arts Festival und CitySonic Festival in Mons.
Basak Günak komponiert und macht Sound-Design unter anderem auch für zeitgenössischen Tanz und Theaterstücke, Kurzfilme, Site-Specific Performances und Installationen. Sie gastierte und arbeitet an Kunstorten und Häusern wie Rotterdamse Schouwburg, Prague Signal Festival, 18. und 19. Istanbul International Theater Festival (IKSV), ARENA Theater Festival Nürnberg und Venice ElectroFestival. 2014 bekam sie einen der heißbegehrten Plätze der Red Bull Music Academy in Tokyo.

THE EYE OF TIME ist das Solo-Projekt des französischen Musikers Marc Euvrie. Wesentlich geprägt wurde Euvries musikalische Entwicklung durch die DIY Punk und Hardcore-Szene Frankreichs, obwohl er ebenso eine klassische Musikausbildung genossen hat. Mit 9 Jahren begann er Klavier zu spielen, komponierte mit 15 erste eigene Stücke und studierte später Cello am Konservatorium. Er war mit mehreren Bands über Jahre in der Punk und Hardcore-Szene involviert, bevor er anfing, seine ganz persönliche Reflektion des komplexen Weltgeschehens in Musik zu übersetzen, was letztendlich THE EYE OF TIME initiierte. Sein umfangreiches selbstbetiteltes Debüt erschien im Frühjahr 2012 und zeigte zunächst mit welch kritisch-düsterem Blick er das Heute, Gestern und Morgen musikalisch beschrieb: Marc Euvrie legte die unnatürliche Richtung offen, in der sich die menschliche Existenz bewegt und bediente sich dazu vieler, teils gegensätzlicher Genres und Einflüsse. Er schaffte prägnante Texturen von cineastischen Melodien und klassisch akustischen Sounds bis zu verstörenden Drones, Noise, elektronischer Manipulation, Loops und Samples. Mit der Veröffentlichung seines zweiten Albums “Acoustic” im Juni 2014 überraschte er mit der konsequenten Verschiebung seines Fokus'. Auf der Suche nach dem Motor, den persönlichen Bedürfnissen, die ihn am Leben halten, konzentrierte er sich vollkommen auf Cello und Piano. Marc Euvries wachsam kritischer Geist macht ihn zu einem der scharfsinnigsten Beobachter der heutigen Gesellschaft.
Bei Denovali Records erscheint nun The Eye Of Times nächstes Album „ANTI“.
“ANTI” ist dunkler als alles, was Marc Euvrie bislang kreiert hat. Das Schreiben der Songs und die Aufnahmen dazu dauerten insgesamt drei Jahre. Gleich von Anfang an war das Album als der düstere Gegenpart zum Vorgänger "Acoustic" gedacht, und als Versuch, eine realistische Sicht auf unsere Gegenwart aufrichtig in Musik zu übersetzen: Industrial, Verzweiflung, Entsetzen. 
Wo “Acoustic” Anzeichen von Hoffnung anbot, konfrontiert uns “ANTI” mit der puren Verzweiflung – tiefschwarz und beklemmend. Ein langer Schrei in der dunkelsten Nacht, gegen die Welt gewandt und all die Frustration offenlegend; das Ende von allem sehend, aber unfähig zu sprechen. Die wenigen lichten Momente, die sich durch das Album ziehen, vermitteln eine Melancholie von etwas, das schon längst tot ist. Ein flüchtiger Rückblick auf die schönen Dinge, die wir erschaffen haben und auf das Pozential der Menschheit, im Lichte der Erkenntnis, dass ein Ende erreicht ist. "ANTI" schließt mit einem eher friedlichen und minimalistischen Song, als ob wir unser Schicksal akzeptiert hätten. Das ganze Album ist jedoch um den Titelsong "ANTI" konzipiert. 14 Minuten voller dramatischer Industrial-Musik, die zu einem apokalyptischen Ende führt, das über einschlagende Beats alles laut herausschreit.
The EYE OF TIME’s Musik sollte nie als Resignation verstanden werden. Für Marc Euvrie gibt es keine andere Option, als der Gesellschaft ihre offenen Wunden zu zeigen und sich den schmerzlichsten Themen zu verschreiben, da es scheint, dass eine Notwendigkeit besteht, die düstersten Dinge unmittelbar vor den eigenen Augen zu sehen, um aufzuwachen.

Quelle: Scheune