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» Andere lieb’ ich nur zum Scheine … ! « Harfenklänge aus Sachsen und Böhmen – Hoflößnitz | Alle Veranstaltungen

 

» Andere lieb’ ich nur zum Scheine … ! «
Harfenklänge aus Sachsen und Böhmen

Schon zur Renaissance war die Harfe in Adelskreisen zwischen Elbe und Donau beliebt. Virtuosen wirkten an Hofkapellen in Sachsen und Thüringen; Harfenbauer in Jena, Querfurt oder Nordhausen lieferten Instrumente. Auch wenn man wohl vor allem raffinierte höfische Musik spielte, diente die Harfe schon damals auch zur Begleitung von Tanz und zur Unterhaltungsmusik. 1560 schimpfte der Reformator Johann Mathesius im böhmischen Joachimsthal: »Mit Harffen und Lauten schönen Mädchen hofieren nimmt ein böses Ende.«

Aus dem Jahr 1719 stammt die »Musicalische Rüstkammer auff der Harffe« – eine Handschrift aus Leipzig, in der rund hundert Menuette, Arien, Bourrées und andere barocke Tanzstücke notiert sind – ergänzt um dazugehörige Dichtungen aus Leipziger Studentenkreisen. Viele Stücke dieser Sammlung sind nur auf der »Arpa Doppia« spielbar, einer zweireihigen chromatischen Harfe, die wohl auch am Dresdner Hof beliebt war.

Parallel dazu entwickelte sich im Erzgebirge und Egerland die volkstümliche Tradition der »böhmischen Harfe«. Reisende Musikanten brachten das leicht gebaute Instrument in die großen Städte Sachsens. Das Repertoire der Wanderharfner bestand aus Volksliedern und Bearbeitungen populärer Opernmelodien. Mozart traf in einem Prager Wirtshaus einen solchen Harfenisten, der Melodien aus »Le Nozze di Figaro« für Harfe bearbeitet hatte und virtuos vorspielte. Fünfzig Jahre später zeigt Ludwig Richters romantisches Bild von der »Überfahrt am Schreckenstein« einen Wanderharfner auf dem Fährkahn über die Elbe.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Harfe zum Instrument, auf dem sich fahrende Sängerinnen zum Gesang begleiteten. 1874 berichtet das »Musicalische Konversationslexikon«: »Besonders Böhmen liefert viele solcher Harfenistinnen, die bis in die entferntesten Länder wandern.« Noch um 1950 zogen Wandermusikantinnen aus dem Eichsfeld mit Harfen durch Deutschland – sie waren die letzten Repräsentantinnen einer langen musikalischen Tradition.

Tom Daun · Arpa Doppia und Böhmische Harfe

quelle hoflösnitz