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Camus – Philosoph des Absurden – Deutsches Hygiene-Museum Dresden | Alle Veranstaltungen

 

Iris Radisch: Albert Camus – Das Ideal der Einfachheit | 16. September | Mittwoch | 20 Uhr | Deutsches Hygiene-Museum

Es ist vielleicht eine der besten Biographien über Albert Camus, auf jeden Fall ist es die persönlichste: kunstvoll komponiert wie ein kubistisches Bild, voller Empathie geschrieben, jedoch ohne das Leben des großen Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers zu verklären, umreißt Iris Radisch, die Literaturkritikerin der „Zeit“, in einer wunderbaren Sprache die Lebensgeschichte des „Philosophen des Absurden“.
Zum diesjährigen Motto „Neue Welten“ des Festivals „Literatur Jetzt!“ passt bestens das „mittelmeerische Denken“ von Camus, welches die einfachen und unmittelbaren Freuden dem Prinzip Befriedigungsaufschub, das die westliche Welt in Gang hält, gegenüberstellt. Geschicklichkeit, Schlauheit, Berechnung und List stellten für dieses Denken Todsünden dar – der Mensch sollte vielmehr nach Unschuld, Naivität, Schlichtheit und Redlichkeit trachten. In Ideen wie jener einer „Mittelmeerunion“ des italienischen Philosophen Giorgio Agamben lebt diese vom „Ideal der Einfachheit“ geprägte Philosophie bis heute fort – und richtet sich nebenbei auch gegen die von Deutschland propagierte Austeritätspolitik gegenüber verschuldeten Ländern wie etwa Griechenland. Was würde Camus heute dazu sagen? Iris Radischs mit Temperament und Eleganz geschriebene Biographie zieht einen sofort in den Bann. Nach dem Krieg war Albert Camus einer der ersten entschiedenen Europäer ebenso wie ein Kritiker der Wachstumsideologie. Radischs Buch ist weit mehr als nur eine Biographie. Es taugt dazu, die Gegenwart an den gescheiterten Idealen des Dichters Camus zu messen.
 
Quelle: Literatur Jetzt