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Musik von Bach, Telemann, Rameau

Das zweite der dem Margraf zu Brandenburg gewidmeten Konzerte ist vermutlich eines der bekanntesten Musikstücke überhaupt, oft erklingt es im Radio. In einer Aufzeichnung gibt es beste technische Möglichkeiten, die vier Solisten am Mischpult nachträglich passend zu machen; zudem hat der Trompeter für die äußerst heiklen Passagen genügend Versuche. Doch wird es genau aus diesen Gründen selten im Konzert gespielt. Zunächst erscheint die Instrumentation aus der Sicht des 21. Jahrhunderts eigenartig, ja schon fast ein Missgriff: Bach setzt Blockflöte und Trompete gleichberechtigt als solistische Instrumente ein. Weiterhin erklingt die Trompete sehr oft in äußerst hohen Lagen, an der Grenze des Machbaren. Warum spielt die Trompete überhaupt ständig in diesen gefährlichen Höhen? Wenn es doch nur einen Ton tiefer wäre! Und warum zusätzlich in F-Dur und nicht wie viele übliche Stücke in D-Dur und damit in einer wiederum etwas entspannteren, 1½ Töne tieferen Lage? Hier überlagern sich verschiedene Sachverhalte:
Zum einen besteht für Naturtrompeten erst ab dem 8. Naturton (zwei Oktaven über dem Grundton) die Möglichkeit, eine Melodie zu spielen. Bach komponiert bis zum 17. Naturton, und diese Höhen sind vor allem durch leichtes Spiel anzusteuern. Zum anderen gab es nicht den Beruf des musikalischen Trompeters, er war hauptsächlich eine Charge des Militärs. Mit dem dort üblichen Stimmton a = 445 Hz wurden diese Trompeten zumeist in »Es« gebaut. Für private Tafelmusik zu Bachs Zeiten in Köthen wurde hingegen der französische Stimmton a = 392 Hz genutzt. Der Komponist muss also bei gleichem Klang in verschiedenen Tonarten notieren: Streicher, Blockflöte, Oboe in Es-Dur; Trompete in F-Dur. Wenn darüber hinaus Bach zeigen wollte, dass man auf der Trompete neben martialischer Kampfansage auch den guten Geschmack in Töne kleiden kann, dann konnte er nur für diesen hohen Bereich schreiben, welcher blockflötenartig Töne bereithält … Hoffen wir, dass uns eine echte Gleichberechtigung von Flöte, Oboe, Violine und Trompete gelingt.

Peter Lohse · Trompete 
Sestetto di Dresda

quelle hoflösnitz