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Das Auge des Arbeiters: Arbeiterfotografie in der Weimarer Republik – Stadtmuseum - Museum Dresden | Alle Veranstaltungen

 
Sonderausstellung
Das Auge des Arbeiters - Erinnerungsfotografie und Bildpropaganda um 1930
21.3. bis 12.7.2015 im Stadtmuseum Dresden
 
Nie war es einfacher, eine große Medienöffentlichkeit für persönliche Belange zu erreichen. Der Umgang mit dem eigenen und mit fremden Bildern hat sich in nur einem Vierteljahrhundert fundamental gewandelt. Das Private geht im Öffentlichen auf. Werbung und Politik sprechen die gleiche Sprache, haben dieselben Gesten; die technische ersetzt die direkte Kommunikation. Anlass, den Untergang des Abendlandes zu beklagen? Eine Ausstellung im Stadtmuseum Dresden blickt fast 100 Jahre zurück auf frühe Medienamateure: die Arbeiterfotografen. 
Die um 1900 geborenen proletarischen Fotoamateure gehören zur ersten Generation von Arbeitern, Handwerkern und Kleinbauern, die sich das Fotografieren leisten konnten. Der massenhaften Technisierung des privaten Blicks in der Weimarer Republik steht in dialektischer Entsprechung das öffentliche Zeigen der boomenden illustrierten Presse gegenüber: Die Entwicklung zur Medienmoderne ist Teil der „Langen Jahrhundertwende“ zwischen 1880 und 1930. Sie vollzog sich in einer Generation. Seither prägen Fotografien im Privaten, in Politik und Werbung die gesellschaftliche Kommunikation.
Auch die Parteien und Verbände der Arbeiterbewegung modernisierten in den 1920er Jahren ihre Pressearbeit. Die Fotosektionen des Touristenvereins „Die Naturfreunde“ boten proletarischen Amateuren Gemeinschaft, Fachwissen und Infrastruktur. 1926 initiierte der Organisator der „Internationalen Arbeiterhilfe“ Willi Münzenberg, den Aufbau der „Vereinigung der Arbeiter-Fotografen Deutschlands“. In ihren etwa 130 Ortsgruppen sollten „Dokumente“ der Not und des Aufbegehrens entstehen. In Sachsen bestanden einige der aktivsten Ortsgruppen dieses kleinen Verbandes – etwa in Dresden, Freital, Leipzig und Bermsgrün (Erzgebirge).
Im „Blick von unten“ zeugen nicht nur die „öffentlichen“, sondern auch die „privaten“ Bilder von der selbstbewussten Aneignung der Kulturtechnik Fotografie. Sie zeigen den schweren Alltag und den Kampf der Arbeiter-bewegung um öffentliche Präsenz und gesellschaftliche Anerkennung. Die Ausstellung erzählt die Verwandlung von Fotografien von „Dokumenten“ des Alltags zur „Erfindung“ von Wirklichkeit – als Teil einer durch die Medien geprägten, mit Plakaten, Abzeichen, Illustrierten und anderen Zeichen bildgewordenen Welt. Sie ist die Vorgeschichte der heutigen.
Die in Kooperation zwischen dem Stadtmuseum Dresden und dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV) entwickelte Ausstellung beschließt das DFG-geförderte Forschungsprojekt „Das Auge des Arbeiters“ am ISGV. Sie wird begleitet von einer Tagung sowie einer Vortrags- und einer Filmreihe. Das gesamte Programm ist veröffentlicht unter http://web.isgv.de/ bzw. http://stmd.de/. Und ab 17. Juni wird die Präsentation „Unter Belichtung“ der AG  Stadtdokumentation Blicke auf das unsichtbare Dresden hinter den Kulissen von Elbflorenz werfen – auf soziale Unterschiede heute.