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Das ökonomische Prinzip – zwei Satiren – Staatsschauspiel Dresden - Kleines Haus | Alle Veranstaltungen

 

In Dostojewskijs „Das Krokodil“ wird von einem deutschen Schausteller berichtet, der in Moskau eine Sensation präsentiert: das Riesenkrokodil Karlchen. Der Beamte Iwan Matwejewitsch, seine Frau Jelena Iwanowna und ihr Hausfreund Semjon Semjonowitsch wollen sich diese Attraktion nicht entgehen lassen. Doch als Jelena Iwanowna das Tier erblickt, empfindet sie nichts als Abscheu und ist enttäuscht. Zudem kann sie nicht glauben, dass das Krokodil lebt. Um ihr die Lebendigkeit des Tieres zu beweisen, neckt der Deutsche das Krokodil mit einem Stock; Iwan Matwejewitsch tut es ihm nach und wird kurzerhand verschluckt. Seine Frau ist geschockt und verlangt sogleich, dass das Krokodil aufgeschlitzt wird um ihren Mann zu befreien. Daraufhin bricht ein Streit aus, denn der Deutsche und seine Mutter wollen auf keinen Fall zulassen, dass ihrem „Karlchen“ etwas passiert und drohen mit einer Anklage. Plötzlich meldet sich aus dem Leib des Krokodils die Stimme des Beamten- er hat überlebt und stellt sich sogleich auf die Seite des Deutschen. Er wird in Zukunft seine Aufgaben im Magen des Tieres ausüben, das wirtschaftliche Prinzip habe schließlich Vorrang. 

In Bulgakows Erzählung „Tschitschikows Abenteuer“ kommt der Held aus Gogols Roman „Die toten Seelen“ nach fast einhundert Jahren aus dem Schattenreich zurück um seine Geschäfte abzuwickeln. Diesmal versucht er aus dem in den 1920er Jahren von Lenin entwickelten Programm der „Neuen ökonomischen Politik“ zur Stärkung der von Kriegs- und Revolutionswirren geschwächten sowjetischen Wirtschaft Kapital zu schlagen. Die 1922 publizierte Satire Bulgakows hält nicht nur der sowjetischen Gesellschaft seiner Zeit einen Spiegel vor, sie ist auch eine treffliche Darstellung unserer Gegenwart.

quelle: staatsschauspiel dresden