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„Der Alltag der Welt“ – Lesung und Gespräch mit Karl Markus Gauß – Literaturhaus - Villa Augustin Dresden | Alle Veranstaltungen

 

„Der Alltag der Welt“ – Lesung und Gespräch mit Karl Markus Gauß

“Ich schreibe, um mir etwas von der Welt ins Ich zu bergen und etwas von mir in die Welt zu retten.” 
Dies ist ein Zitat aus dem neuen essayistischen Roman „Der Alltag der Welt“ (2015) von Karl Markus Gauß, der auf satirische oder philosophische, immer geistreiche Weise gesellschaftliche Entwicklungen der Jahre 2011 bis 2013 hinterfragt und kritisiert. 
Der Protagonist ist ein alter Mann, der sein Leben lang Texte verfasst hat, ohne sie jemals veröffentlicht zu haben. Nun, da sein Leben bald zu Ende geht, möchte er dies nachholen. Er sucht den Literaturfachmann Gauß auf, dessen Rückmeldung sehr positiv ausfällt. Im Gegensatz zum realen Autor Gauß beharrt er auf einer anonymen Publikation. Somit greift Gauß in seinem Roman eine grundsätzliche Frage der heutigen Zeit auf: Gibt es noch individuelle Identität in einer derart anonymisierten Gesellschaft? Der Essayist bringt dabei seinen Leser an die Grenzen der eigenen Selbstgewissheit und führt ihn in vollkommene Irritationen. 
Mit satirischen Kurzgeschichten, philosophischen Anmerkungen und hellsichtigen Betrachtungen bringt Gauß wesentliche Merkmale der Jahre 2011 bis 2013 treffend auf den Punkt. Hierbei macht er auch vor trivialsten Bemerkungen keinen Halt und zweifelt offen und mit beißender Kritik an dem, was sich als „common sense“ etabliert hat. Er kennt keine Grenzzäune, geht mit spielerischer Ironie genauso um wie mit zugespitzter Polemik und vermischt gekonnt historische Aspekte mit aktuellen literarischen und politischen. So entsteht eine tastende, abwägende Suchbewegung nach dem Verständnis des Alltags in einer Welt zwischen modernen Informationstechnologien, einer quasireligiösen Gesundheitsindustrie und dem globalen Turbokapitalismus. 
Karl-Markus Gauß, geboren 1954, arbeitet in Salzburg als Autor und Herausgeber der Zeitschrift „Literatur und Kritik“. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Vilenica-Preis (2005) und dem Johann-Heinrich-Merck-Preis (2010). Bei Zsolnay erschienen unter anderem „Die Hundeesser von Svinia“ (2004), das Journal „Zu früh, zu spät“ (2007), „Das Erste, was ich sah“ (2013) sowie „Der Alltag der Welt“ (2015).

 

Moderiert wird die Lesung von dem Dresdner Autor Michael Wüstefeld. 

Quelle: Villa Augustin