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Der Idiot – Staatsschauspiel Dresden - Großes Haus | Alle Veranstaltungen

 

Der Idiot

Eine russische Gesellschaft, die sich zwischen Feudalismus und Kapitalismus häuslich einrichtet: Hochzeiten dienen der Absicherung prekärer Verhältnisse, mit Erbschaften wird noch vor dem Tod des zu Beerbenden spekuliert, und Mätressen sind eine Frage des Geldes. In diese Welt platzt Fürst Myschkin, Dostojewskijs Entwurf eines „wahrhaft vollkommenen und schönen Menschen“. Nach mehreren Jahren im Sanatorium kehrt er aus der Schweiz zurück. Mit den Spielregeln der Sankt Petersburger Gesellschaft ist der Fürst nicht vertraut, deshalb, und weil er unfähig ist zu Intrige und Misstrauen, fliegen ihm alle Herzen zu. „Mitleid ist das einzige Gesetz menschlichen Seins.“ Myschkins konsequent gelebte Devise stellt die scheinbar rationalen Entscheidungen ­seiner Mitmenschen in Frage. Mit dem Fürsten als Katalysator ist es plötzlich möglich, sich zu zweckbefreitem Handeln aufzuschwingen: Ein Paket mit 100.000 Rubeln landet im Feuer, und eine bevorstehende Erbschaft entwertet einen Heiratsantrag. – Doch auf den Rausch folgt der Kater. Dostojewskij lässt seinen Bilderbuch-Humanisten gnadenlos am nicht totzukriegenden Konkurrenzverhalten der anderen scheitern. „Man hörte Lachen“ ist eine häufig ­wiederkehrende Reaktion auf das Verhalten des Fürsten.
Regisseur Matthias Hartmann inszeniert auf den großen Bühnen des deutschsprachigen Theaters, u. a. am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Schauspielhaus Zürich und am Residenztheater München. Er war Intendant des Schauspielhauses Bochum, des Zürcher Schauspielhauses und des Wiener Burgtheaters. Seine Inszenierungen wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und mehrfach zum Berliner Theatertreffen eingeladen, zuletzt 2014 die Produktion „Die letzten Zeugen“, die auch als Gastspiel in Dresden zu sehen war. Auch seine mit dem Nestroy-Preis ausgezeichnete Inszenierung „Krieg und Frieden“ wurde hier mit großem Erfolg gezeigt. Matthias Hartmann arbeitet ebenfalls als Musiktheaterregisseur u. a am Opernhaus Zürich, an der Wiener Staatsoper und demnächst an der Mailänder Skala. Zudem entwirft er Programme für einen österreichischen Fernsehsender.

Quelle: Staatsschauspiel Dresden