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Der Kaufmann von Venedig – Staatsschauspiel Dresden - Großes Haus | Alle Veranstaltungen

 

Tragisch-komisch wird im „Kaufmann“ über die Liebe zwischen Männern und Frauen, wie auch zwischen Männern und Männern erzählt. Aber es ist auch ein Stück über Hass und Geldgier: Bassanio braucht dringend Geld, um die reiche Portia zu umwerben. Er bittet seinen Freund Antonio, ihm die Summe zu borgen. Und weil Antonio Bassanio liebt, sichert er es ihm zu. Antonio, der selbst keinen Zugriff auf sein Geld hat, muss dafür bei seinem Erzfeind, dem Juden Shylock, um einen Kredit betteln. Shylock gewährt ihm diesen mit der Auflage, dass er ihm, wenn er das Geld nicht zum vereinbarten Termin zurückzahlt, ein Pfund Fleisch aus dem Leib schneiden darf. Die Geschichte nimmt kein gutes Ende.

Tilmann Köhler und sein 12-köpfiges Männerensemble erzählen diese alte Geschichte neu und versuchen herauszufinden, in welchem Verhältnis unsere Kultur heute allem „Fremden“ gegenübersteht. Der „Kaufmann“ – ideologisch missbraucht von den Nationalsozialisten und auch von anderen politischen Seiten instrumentalisiert – ist ein höchst polarisierender Stoff. Genau darin liegt seine Herausforderung: Zu Shakespeares Zeit ist Venedig ein Zentrum des Welthandels. Hier treffen jüdische auf christliche Werte, begegnen sich verschiedene Kulturen und Sprachen. Tauschgeschäfte und Kriege verlangen nach einer Vermehrung des Kapitals. Deshalb braucht man die Juden: Man ist auf ihr Geld angewiesen, und allein darin – so scheint es – liegt ihre Daseinsberechtigung. Ansonsten ghettoisiert man sie, lässt sie nicht am gesellschaftlichen Leben mit den Christen teilnehmen; sie werden als Fremde stigmatisiert. In dieser Welt treffen die zwei Kaufleute Antonio und Shylock aufeinander, mischen sich ihre verschiedenen Wertvorstellungen mit persönlichen Ressentiments.
In einer Stadt wie Dresden, die sich nach wie vor schwer tut mit dem Fremden, untersuchen Tilmann Köhler und sein Team, inwieweit die Vorurteilsstrukturen, unterschiedlichen Wertesysteme und Rechtsauffassungen noch immer bestehen, welcher Art die Projektionen von Fremdheit sind sowie den Ursprung und die vermeintliche Notwendigkeit von Feindbildern.

quelle: staatsschauspiel dresden