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Der Scheiterhaufen - nach dem Roman von György Dragomán – Staatsschauspiel Dresden - Kleines Haus | Alle Veranstaltungen

 

Der Scheiterhaufen

In Koproduktion mit dem Schauspiel Stuttgart

Zwei Monate nach dem Sturz Ceauşescus brennen auf dem Hof ihres Internats die Überreste des diktatorischen Regimes auf einem großen Scheiterhaufen. Für die dreizehnjährige Emma kündigt sich mit dem gesellschaftlichen Umbruch ein eigener an: Das Erwachsenwerden, Wünsche, Träume und Ängste, die erste Liebe. Außerdem soll sie von nun an bei einer Unbekannten, die sich als ihre Großmutter ausgibt, leben. Widerstrebend folgt Emma ihr in eine fremde Stadt. In der Schule wird sie bedroht, denn die Großmutter gilt als Spitzel und als Verrückte, die in Kaffeesatz oder Blut liest. Tapfer erträgt Emma die Peinigungen, zugleich aber wächst das Misstrauen gegen die alte Frau. Als sie sich über das Verbot hinwegsetzt, den Holzschuppen zu betreten, macht sie eine verstörende Entdeckung. Die Geschichte, die ihre Großmutter also doch zu erzählen beginnt, über ihre Familie und über eine Gesellschaft, in der viele Gewaltverbrechen nie verfolgt wurden, zieht Emma den Boden unter den Füßen weg. „Großmutter sagt, vergessen sei leicht, das solle ich wissen. Ich würde mir vielleicht einbilden, dass mein Gedächtnis nie versagen, ich mich immer und an alles erinnern würde, doch so werde es nicht sein. Selbst die wichtigsten Dinge könne man vergessen, die besten Dinge und die schlimmsten, den größten Schmerz und die größte Freude, alles, alles.“ Dabei gebe es nur das, woran wir uns erinnern, doch was wir vergessen, gebe es nicht mehr, es verschwinde aus der Welt. Als Akt der Befreiung entfachen die zwei schließlich einen eigenen Scheiterhaufen.

Armin Petras hat als Regisseur und als Autor Fritz Kater die frühen 1990er Jahre aus der Perspektive der deutschen Wiedervereinigung erzählt und die zersplitterte Gesellschaft in Regionen rapiden sozialen Wandels porträtiert. Dabei leitete ihn auch die Frage, ob und wo es irgendeine gemeinsame Wurzel gibt. Mit der Uraufführung von Dragománs viel beachtetem Roman blickt er auf Rumänien und genau diese, dort von Schrecken geprägte Umbruchszeit. 

quelle: staatsschauspiel dresden