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Der Weltensammler - nach dem Roman von Ilija Trojanow – Schlosskapelle im Residenzschloss Dresden (Schlosstheater) | Alle Veranstaltungen

 

Der Weltensammler


Sir Richard Francis Burton ist eine der exzentrischsten Figuren des 19. Jahrhunderts. Als britischer Offizier und Forschungsreisender dringt er in kulturell wie geografisch unbekannte Regionen vor. Er übersetzt erstmals das Kamasutra und die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht. Seine Reiseberichte inspirierten nicht nur Karl May – sie liefern heute noch die Vorlage für abenteuerliche Graphic Novels. Schon früh ist dem jungen Burton das viktorianische England zu eng und zu bieder. Im Dienst der Britischen Ostindien-Kompanie lernt er in den Kolonien wie besessen Sprachen – bis zu 20 soll er schließlich beherrscht haben –, vertieft sich in fremde Religionen und reist zum Schrecken der einheimischen ­Behörden anonym herum. Seinen britischen ­Kollegen ist Burton schnell als „weißer Neger“ suspekt, binnen Kurzem zweifeln Einheimische nicht an seiner Identität als persischer Arzt auf Pilgerreise. So betritt er, zum Islam konvertiert, als einer der ersten Europäer die heiligen Stätten von Mekka und Medina. Burton gelingt es, Traditionen und Sprachen scheinbar wie Kleider an- und abzulegen. Seine Wandlungsfähigkeit befähigt ihn zur Spionage, doch geht er in dieser Funktion nie wirklich auf: Burton ist ein Weltensammler, ein begierig Lernender, der unaufhörlich suchen, aber auf gar keinen Fall finden will. 
Ilija Trojanow vernetzt unterschiedliche Perspektiven auf Burton, lässt Begleiter zu Wort kommen und nutzt Protokolle, Briefe, Zeugenbefragungen. Burtons radikale Einverleibungen des Fremden eröffnen einen neuen Blick auf aktuelle Debatten um Integration, Herkunft und Heimat. Nicht Vergangenheit präge das Zugehörigkeitsgefühl eines Menschen, so Trojanow, entscheidend sei die Frage, wohin man gehen will.
Der junge Regisseur Johannes Ender, der sowohl in Damaskus studierte, als auch Uganda und Nepal bereiste, bringt den prämierten Roman im Schlosstheater mit drei Schauspielern und einem Chor zur Uraufführung.

Besetzung:
Christian Clauß, Jasper Diedrichsen, Katharina Lütten
Chor: Christiane Büttig, Max Dreier, Lennart Fritzsch, Jannik Hinsch, Valentin Kleinschmidt, Constanze Metz, Mats Nicolai, Carmen Pauli, Aileen Pönack, Romy Riffel
 

Regie Johannes Ender
Bühne Marie Gimpel
Kostüm Claudio Pohle
Musik Daniel Dominguez Teruel
Einstudierung Chor Christiane Büttig
Dramaturgie Lucie Ortmann
Licht Andreas Barkleit

quelle: staatsschauspiel dresden