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Die lebenden Toten – Staatsschauspiel Dresden - Kleines Haus | Alle Veranstaltungen

 

Die lebenden Toten

Alle lieben Zombies und Vampire, sie sind – Achtung, Wortspiel – nicht totzukriegen. Ob im Kino, im Buchladen oder in den Qualitätsserien des amerikanischen Fernsehens, der Trend geht hin zum Untoten. Sexy, aristokratische Vampire und toughe Zombie-Schlächter sind die Helden der Jetztzeit. Auch Christian Lollike, dessen neues Stück den Titel „Die lebenden Toten“ trägt, ist ein Fan von „The Walking Dead“ und „True Blood“. Aber ganz in eine Fantasy-Welt abtauchen ist des Autors Sache nicht. Vor Lampedusa sterben die Flüchtlinge, und die Europäer sehen ihnen dabei zu. Sich damit zu beschäftigen ist vielleicht weniger spektakulär, als Zombies gegen Vampire antreten zu lassen, aber es brennt mehr auf den Nägeln.
In „Die lebenden Toten“ bringt Lollike die beiden denkbar fern stehenden Welten in einer riskanten Synthese zusammen: Eine Zombie-Armee bewegt sich auf Europa zu. Den Untoten macht das kalte Wasser nichts aus, und so treiben sie tagelang im Mittelmeer. Fische fressen ihren Teil der Beute, um wenig später auf den Tellern der sogenannten Ersten Welt zu landen. Die „Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen der Europäischen Union“, kurz FRONTEX, rückt den Zombies mit Science-Fiction-artigen Waffen und Drohnen zu Leibe. Während der Kampf über dem Wasser tobt, dreht ein europäisches Team einen Vampirfilm. Doch wer will hier eigentlich wem das Blut aussaugen?
Lollikes Stück ist aus zahlreichen Gesprächen mit Betroffenen entstanden. Hier kommen alle zu Wort – vom Flüchtenden über den kleinen Grenzbeamten bis hin zum EU-Präsidenten. Die Angst derjenigen, die in der „Festung Europa“ sitzen, wird dabei ebenso ernst genommen wie die Angst derjenigen, die aus ihrem Land fliehen und sich in Todesgefahr begeben müssen. Trotzdem ist es auch ein verdammt gutes „Zombies versus Vampires“-Theaterstück.

Quelle: Staatsschauspiel Dresden