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Don Quixote – Semperoper Dresden | Alle Veranstaltungen

 

Don Quixote

Aaron S. Watkin

Ein Mann von La Mancha, sein Traum und seine Dulcinea 
Ballett in zwei Akten zu Musik von Ludwig Minkus und Manuel de Falla

Zur Rezension von kulturreporter.de

 

„Don Quixote“ überzeugt: farbenprächtig, intensiv und stark im Abgang

Mancher möchte meinen, „Don Quixote“ wird ein Ballettabend wie andere seiner Art auch. Tänzerinnen und Tänzer erzählen mit ihren Körpern in landestypischen Kostümen, wie ein Träumer aus dem spanischen Kastilien auf der Suche nach der idealen Partnerin in ritterlicher Manier auszog und sich im kühnen Kampf gegen Windmühlen lächerlich macht. Eine einfach gestaltete Handlung als Klammer virtuoser Ballettkunst. Wer so denkt, den wird diese Neukreation durch das Semperoper Ballett überraschen und eines Besseren belehren. Das exzellente Ensemble erzählt eine Geschichte, die so tiefgründig in den klassischen Handlungsballetten sonst nicht angelegt ist.

 Von Anfang an nehmen wir zur Kenntnis, dass unser Held eine zentrale Rolle spielt und in seiner Außenseiterrolle nicht, wie in der klassischen Version, der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Entrückt in die Welt seines Lieblingsbuches, ausgeschlossen von den Kollegen in der Fabrik und ausgegrenzt beim Spiel um Ansehen und Erfolg in der tosenden Stierkampfarena, bestimmen Sehnsüchte fernab der Realität den Tag des Schweißers Alonso. Wen wundert es da, wenn er einmal in den Mittelpunkt des Geschehens rücken und sich der heimlich Angebeteten empfehlen will? Doch wie groß muss auch die Erschütterung sein, im euphorischen Bemühen um Beachtung und Anerkennung genau das Falsche zu tun?
 
Der Dresdner „Don Quixote“ zeichnet seinen Titelhelden als Suchenden, Irrenden und von Idealen Verblendeten, der in seinem Eifer lange Zeit das Naheliegende geringschätzt oder gar übersieht: die helfende Hand und bedingungslose Zuneigung seiner Gefährtin Sancha Panza. Auch sie ist ganz neu erzählt. Wenn sie am Ende mit all ihrer Liebe und Anmut Dulcinea, dem zauberbehafteten Ideal ihres Geliebten, entgegentritt und Alonso der äußerlichen Wirklichkeit zuführt, ist dessen Wandel vollzogen, seine suchende Reise beendet.
 
Der „Don Quixote“ der Semperoper gehört mit seiner ausgeprägten, virtuosen Körperlichkeit zu den starken sinnlichen Erfahrungen. Getragen vom exzellenten Livespiel der Sächsischen Staatskapelle Dresden kommen stimmungsvolle Empfindungen zutage, wie sie bei unwiderstehlichen Verführungskünsten einer Dulcinea, beim überschwänglichen Volksfest in der Stierkampfarena und im Lager von lebenslustigen Zigeunern entstehen. Starker emotionaler Höhepunkt ist das liebevolle, zart-weibliche Werben der zur endlich wiedergeliebten Juanita gewandelten Sancha Panza.
 
quelle kulturreporter.de
Rezension der Premiere vom 5.11.2016