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DREHBUCH: KOHLHAASE – Programmkino Ost (PKO) | Alle Veranstaltungen

 

DREHBUCH: KOHLHAASE

Ein paar gute Tage haben …
Es spricht für ihn, dass er sich augenzwinkernd die „Schuldfrage“ stellt. Wolfgang Kohlhaase sagt, er sei in der Schuld von Schauspielern, die dem, was ihm wichtig sei, ihr Gesicht und ihre Stimme gegeben haben. Er stehe auch in der Schuld von Menschen, aus deren Leben er etwas auf- oder abschreibt: eine Situation, manchmal nur ein Satz. Seine Drehbücher haben direkt mit dem Alltag zu tun. Man sieht es! 
Wolfgang Kohlhaase ist Teamspieler. Als Autor steht er als Erster auf dem Platz: „Damit ein Film etwas taugt, müssen mehrere Berufe einen guten Tag haben.“ Knapp 30 Vorlagen hat er von 1953 bis heute erschaffen. Versuche, selbst Regie zu führen, blieben die Ausnahme genauso wie das Schreiben von Prosa. Das Glück des Tüchtigen war es wohl, gepaart mit der exzellenten Güte seiner Arbeiten, die ihn auch nach 1989 nicht in Vergessenheit gerieten ließen. Im März wurde Kohlhaase 85 Jahre alt. 

Neben Frank Beyer waren es vor allem die Regisseure Gerhard Klein und Konrad Wolf denen sich Wolfgang Kohlhaase verbunden fühlte. Mit Andreas Dresen ist es noch heute so. Die Werke, die mit ihnen entstanden sind, spielen im Kanon des deutschen Films eine eigene Melodie, von BERLIN - ECKE SCHÖNHAUSER über DER NACKTE MANN AUF DEM SPORTPLATZ hin zu SOLO SUNNY und SOMMER VORM BALKON. 
Wolfgang Kohlhaase wurde 1931 in Berlin-Adlershof geboren und ging dort auch zur Schule. Seine Mutter war Hausfrau, sein Vater Maschinenschlosser. Über die Kindheit wird er sagen: „Das, was man in den ersten zehn Lebensjahren aus dem Küchenfenster sieht, bleibt wichtig.“ 1945 entdeckt der 14-Jährige das Kino, sieht innerhalb weniger Monate mit KOLBERG späte Nazi-Propaganda, dann sowjetisches Pathos und mit DIE KINDER DES OLYMP ewige Filmkunst: „Der Zusammenstoß von Weltgeschichte und Pubertät war ein wunderbarer Zufall.“

Mit 16 begann Wolfgang Kohlhaase das professionelle Schreiben, wurde Volontär und Redakteur der Jugendzeitschrift „Start“. Zwei Jahre lang arbeitete er in der Kulturredaktion der „Jungen Welt“, dann als Dramaturg bei der Defa, bevor er sich seit
1952 als freischaffender Drehbuchautor seinen guten Namen machte. Ein gutes Drehbuch sei, „wenn der Zuschauer am Anfang eines Films neugierig auf das Ende ist. Dazwischen ist dann Zeit für Vermutungen und Umwege, Enttäuschungen und scheinbare Nebensächlichkeiten. Dramaturgie wiederum ist ein System von Regeln gegen die permanente Bereitschaft des Publikums, sich zu langweilen.“
Ein paar gute Tage haben … und sie mit einem Kohlhaase-Film beschließen. Wir laden herzlich dazu ein!
Andreas Körner

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