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Ein Volksfeind - von Henrik Ibsen – Staatsschauspiel Dresden - Großes Haus | Alle Veranstaltungen

 

Ein Volksfeind

„Der schlimmste Feind der Wahrheit und der Freiheit ist die kompakte Mehrheit. Ja, diese verfluchte, kompakte, liberale Mehrheit.“ Als der Kurarzt Thomas Stockmann entdeckt, dass das Wasser des örtlichen Heilbades durch Industriegifte verseucht ist, will er mit diesem Befund an die Öffentlichkeit. Einflussreiche Bürger und Pressevertreter sichern ihm ihre Unterstützung zu. Doch sein Bruder Peter, der Stadtrat des Ortes, befürchtet einzig und allein den Imageverlust und droht, die hohen Kosten im Falle einer Sanierung durch Steuereinnahmen decken zu müssen. Sofort schlägt die Stimmung in der Kleinstadt um und niemandem ist mehr an Aufklärung gelegen. Denn die kompakte Mehrheit hat nur den eigenen Vorteil im Blick: Volkswille sei, dass der Badebetrieb lukrativ weitergehe. Stockmann weist gegen alle Widerstände unbeirrt auf die vom verseuchten Wasser ausgehenden Gefahren hin – noch als die Steine durch seine Fensterscheiben fliegen. Er richtet sich dabei immer radikaler gegen die korrupte Gesellschaft als solche, die sich offensichtlich ganz dem Wohlstand und Wachstum untergeordnet hat. 
Muss Veränderung immer scheitern, sobald eigene Zugeständnisse oder gar Verzicht nötig sind? Können Aufklärung und politischer Aktivismus in einer profitorientierten Gesellschaft überhaupt noch etwas bewegen? Ibsen sendet seinen „Volksfeind“ auf einen schmalen Grat zwischen Engagement und Fanatismus und hinterfragt die Verantwortung des Einzelnen und die Bedingungen gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Regie Marco Štorman

quelle: staatsschauspiel dresden