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Europa - von Lars von Trier und Niels Vørsel – Palais im Großen Garten Dresden | Alle Veranstaltungen

 

Europa


Quer durch die Ruinen von Nachkriegsdeutschland im Jahr 1945 führt es den jungen Deutsch-Amerikaner Leopold Kessler, der voller Idealismus beim Wiederaufbau helfen will. Sein deutscher Onkel vermittelt ihm einen Job bei der Schlafwagengesellschaft Zentropa und so lernt Leo das Land vor allem nachts und aus fahrenden Zügen heraus kennen. Er verliebt sich in Katharina, die Tochter von Zentropa-Oberhaupt Max Hartmann, welcher selbst stark mit seiner opportunistischen Vergangenheit hadert. Als Katharina entführt wird und Leo zu einem Attentat gezwungen werden soll, wird ihm langsam klar, das er längst die Schlüsselfigur einer großen politischen Intrige ist, welche die als „Werwölfe“ organisierten Altnazis eingefädelt haben. 

 

Dass auch nach dem Krieg noch immer mehr Menschen auf Seiten der nationalsozialistischen Fanatiker kämpfen, als Leo zu träumen gewagt hätte, ist die Erkenntnis eines Idealisten, der in eine neue Welt kommt, helfen will – und scheitert. 
In der düsteren Erzählung von „Europa“, die von Trier 1991 auf die ­Kinoleinwand brachte, wird mit den Mitteln der Hypnose und suggestiver Bilder Deutschland als ein Objekt faszinierter und angstvoller Besessenheit voller verdrängter Obsessionen geschildert. Gebrochen wird diese Beobachtung aber immer wieder auch von bissig-parodistischen Kommentaren auf den deutschen Militarismus, der den Zusammenbruch des Nationalsozialismus wie unbeschädigt überstand und dessen absurde bürokratische Auswüchse unüberwindbar scheinen. 
Regisseur Robert Lehniger, dessen Arbeiten sich an der Schnittstelle von Film und Theater bewegen, wird die filmische Vorlage angesichts seiner Referenzen in die Gegenwart auf die Theaterbühne übertragen. So entstehen eigenwillige Bilder, die ihren Blick auf die dünne Schicht der Zivilisation richten. Regie Robert Lehniger

quelle: staatsschauspiel dresden