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Few Were Happy with their Condition – Motorenhalle Kultur Forum - Projektzentrum für zeitgenössische Kunst (Riesa Efau) | Alle Veranstaltungen

 

Die Ausstellung Few Were Happy with their Condition beschäftigt sich mit dem Zustand Rumäniens nach 1989: Einer Zeit voller Hoffnungen und Enttäuschungen, während derer der Wunsch nach Freiheit in einer wirtschaftlichen und für das kapitalistische Modell typischen Unsicherheit resultierte, und während derer Korruption die gesamte Gesellschaft erfasste und zwischenmenschliche ebenso wie institutionelle Beziehungen mitprägte. Die kommunistische Vergangenheit, die darin begangenen Verbrechen und die Unterdrückung der Öffentlichkeit lasten bis heute schwer auf dem Land. Armut und Instabilität der postkommunistischen Ära führten zu einem Trauma, das den Alltag und die Emotionen der meisten Menschen prägt und wenig überraschend auch die künstlerische Produktion.

Mit einem Fokus auf typisch zeitgenössische Medien wie Video, Film und Fotografie spricht die Ausstellung die herrschende Unzufriedenheit in einer Gesellschaft an, die noch immer zwischen zwei Zeiten lebt: Mental von der Vergangenheit geprägt, will sie sich gleichzeitig davon befreien und endlich in die Zukunft aufbrechen. Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler begannen ihre Karrieren in den späten 1990er oder 2000er Jahren; sie observieren gesellschaftskritisch die äußeren Umstände, das politische Klima und die soziale Ungerechtigkeit; sie blicken in die dunkle Vergangenheit ihres Landes und richten in ihren persönlichen Erzählungen und Reflexionen über die Conditio Humana gleichzeitig den Blick nach innen.
 
Few Were Happy with their Condition zeigt sowohl analoge als auch digitale Fotografie, Kurzfilme und Dokumentationen und regt dabei verschiedene Betrachtungsmöglichkeiten sowie Beziehungen zum Bild an. Die Gegenwart ist in ihrer Komplexität natürlich einer der spannendsten Orte für Beobachtungen, weshalb sich auch viele Künstler in verschiedenen Formen gern mit ihr beschäftigen. Wie McLuhan einst bemerkte, versucht der Künstler stets die Zukunft zu gestalten, weil er quasi der einzige ist, der die Gegenwart versteht. Aber nicht nur die Zukunft wird durch eine Analyse der Gegenwart geschrieben: Auch die Vergangenheit hat einen mächtigen, allgegenwärtigen und mitunter erdrückenden Einfluss, gerade in einem Land wie Rumänien, wo die Phase des Übergangs scheinbar endlos anzudauern scheint.
 
Quelle: Riesa efau