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Heart of a Dog – Thalia Kino | Alle Veranstaltungen

 

Regie: Laurie Anderson, (USA), 2015

Kindheit, Liebe, Tod und Klavier spielende Hunde. Und dann noch ein wenig mehr von dem, was einer Künstlerin wie Laurie Anderson am Lebensabend so durch den Kopf geistert; all das ist die thematische Schnittmenge von ihrem zweiten Kinofilm. Der TV-Sender Arte hatte gefragt, ob sie nicht mal etwas machen könne, worin ihre Lebensphilosophie sichtbar würde. Gott bewahre, nein! Aber von ihren Hunden könnte sie etwas erzählen, multimediale Kurzgeschichten waren immer schon ihr Metier, und später meinte ihr Bruder, es gäbe da auch noch ein paar 8mm Rollen aus alten Familientagen… Als ihr Terrier Lolabelle erblindete, brachte sie ihm Klavier spielen bei. Als Lou Reed erkrankte, unterbrach sie die Arbeit völlig. So zog sich das Projekt über mehrere Jahre hin. Und mit jedem Buchdeckel, den sie lüftete, und jeder visuellen Metapher, die sie einfügte, entstand eine Art Map of Life. Verbindungen wurden sichtbar, verborgene Erinnerungen brachen auf, frische Wunden fügten Schmerzen zu. Innerhalb kürzester Zeit verlor die Performance-Künstlerin ihre Mutter, den Ehemann und ihren Hund Lolabelle. Traurigkeit und Verlust gaben ihren Sinn nicht einfach kampflos preis. Für Anderson galt es herauszufinden, auf welchen Weg einen Tod und Schmerz jetzt verweisen wollten. Überraschend kam für sie die Erkenntnis, welche immense Bedeutung Geräusche und Stimmen für die Erinnerung haben. Ein Leben lang hatte sie beispielsweise jene Todesangst verdrängt, die während eines Krankenhausaufenthaltes täglich auf ihrer Bettdecke hockte, während ringsum täglich Kinder schrieen und starben. Erst die Arbeit an dem Film offenbarte ihr, wie wichtig und wie richtig ihr lebenslanger Performance-Ansatz war. Immer schon hatte sie versucht, komplexere Sinneserfahrungen mit bestimmten Ereignissen zu verbinden. Weil Sprache allein zu schwach ist. Weil sie Erinnerungen beschneidet und Gefühle abstumpft. Ganz zu schweigen vom Vergessen. Ganz im Hier und Jetzt zu leben könnte womöglich die Lösung sein. Und so gibt sie das Schlusswort in ihrem 75-minütigen Bildgedicht ihrem Mann Lou Reed und seiner Lebensphilosophie mit „Turning Time Around“.

Quelle: Thalia Kino Dresden