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Hieronymus Boschs Erbe – Kupferstich-Kabinett im Residenzschloß Dresden - SKD | Alle Veranstaltungen

 

Die Begeisterung für die phantastische Bildwelt des Malers Hieronymus Bosch (um 1450–1516) ist bis heute ungebrochen. Gekennzeichnet durch eine surreale Atmosphäre und rätselhafte Inszenierungen faszinieren und entsetzen die Motive des spätmittelalterlichen Künstlers zugleich. In Höllenszenen, Heiligenversuchungen und der Darstellung von Bestrafungen lasterhafter Menschen tauchen Scharen bizarrer Mischwesen auf, deren schauerlicher Anblick beim Betrachter Unbehagen auslöst. Gelangte Bosch bereits zu Lebzeiten durch sein Schaffen zu großem Ansehen, so stieg die Popularität seiner Bilderfindungen bald nach seinem Tod enorm an und diente vielen Nachfolgern – die als „Teufelsmaler“ bezeichnet wurden – als Inspiration.

Zur frühen Verbreitung der Bilder Boschs in ganz Europa trug die international agierende Kunsthandlung von Hieronymus Cock und Volcxken Diericx in Antwerpen bei. Der Verlag „Aux Quatre Vents“ (Zu den vier Winden) war der bedeutendste nördlich der Alpen. Neben Karten, Veduten und Reproduktionen nach antiker und italienischer Kunst wurden hier die frühesten Drucke im Stil Boschs hergestellt, für die so bedeutende Künstler wie Pieter Bruegel d. Ä. die Vorlagen schufen.
Im Verlag Cocks entstand um 1560, von Cornelius Cort gestochen, auch das Triptychon „Die Endzeit, Himmel und Hölle“, das Motive aus Gemälden Boschs aufgreift und auf die nachreformatorische Ära überträgt. Von der um 1600 publizierten zweiten Ausgabe des Blattes ist heute nur ein einziges nicht zerschnittenes Exemplar bekannt. 2012 gelang dem Dresdener Kupferstich-Kabinett der Ankauf dieser Graphik, die nun als Hauptwerk der Ausstellung „Hieronymus Boschs Erbe“ der Öffentlichkeit vorgestellt wird. 
Zusammen mit hundert weiteren Druckgraphiken, Zeichnungen, Gemälden sowie Objekten aus dem Grünen Gewölbe und dem Kunstgewerbemuseum veranschaulicht dieses Blatt das facettenreiche Nachwirken der Kunst des Malers Bosch in der frühen Neuzeit mit Ausblicken bis ins 18. Jahrhundert.
War Boschs Schaffen ursprünglich durch eine religiöse und moralisierende Motivation begründet, so galt es in der Renaissancezeit als eine gemalte Prophetie für den Zerfall der christlichen Glaubensgemeinschaft und ein baldiges Weltende. Zugleich regten die Motive Boschs, die unter anderem als „Grillen“, „Drollen“ und „Capriccios“ bezeichnet wurden, eine spezielle Ästhetik des Grotesken an, die trotz der Einbindung von Monstern und unheimlichen Mischwesen humoristische Züge trägt.