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Hiob - nach dem Roman von Joseph Roth – Staatsschauspiel Dresden - Kleines Haus | Alle Veranstaltungen

 

HIOB

Wie begreifen, wie ertragen wir Leid? Als Schicksal, als Prüfung, als Strafe? Mendel Singer muss zunächst „ein paar Welten zugrunde gehen sehn“, bis er endlich klug wird. Der orthodoxe Hauslehrer lebt mit Frau und Kindern bescheiden in einem jiddischen Schtetl in Südwest-Russland. Fest im Glauben Gottes. Bis Menuchim geboren wird. Ein Epileptiker. „Der Schmerz wird ihn weise machen, die Hässlichkeit gütig, die Bitternis milde und die Krankheit stark“, prophezeit der Rabbi. Mendel aber erkennt nur eine Strafe Gottes. Und bald folgt ein Schicksalsschlag dem nächsten. Die gesunden Söhne werden in die Armee des Zaren einberufen. Schemarjah rettet sich mit Hilfe von Fluchthelfern, die seine Mutter von ihrem Ersparten bezahlt, nach Amerika. Dort reich geworden und nun Sam genannt, kann er die Familie nachholen. Nur Menuchim, dem man krank die Reise nicht zutraut, bleibt zurück. In New York empfindet Mendel die aufkommende Zufriedenheit „wie ein fremdes, geborgtes Kleid“. Die Hoffnung auf ein besseres Leben in der neuen Welt soll sich bald darauf zerschlagen. Der Weltkrieg bricht aus, 1917 nimmt auch Amerika daran teil, und zerreißt die Familie endgültig. Allein und in ohnmächtiger Wut lehnt sich Mendel Singer gegen Gott auf. Doch auf dem Höhepunkt seiner Verzweiflung erlebt er ein erlösendes Wunder: Menuchim lebt und ist ein berühmter Musiker geworden. 
Joseph Roth verbindet die große Menschheitsfrage nach dem Sinn des Leidens mit den Fremdheitserfahrungen durch Flucht und Emigration zu Beginn des 20. Jahrhunderts. 
Der in Ankara geborene und seit 1999 in Berlin lebende Regisseur Nurkan Erpulat ist für seine zeitgenössischen, radikal postmigrantischen Stoffe und Lesarten bekannt und vielfach ausgezeichnet worden. Aus dieser Perspektive und im Kontext der heutigen Migrationsbewegungen blickt Erpulat auf die ein ganzes Jahrhundert zurückliegende Geschichte.

quelle: staatsschauspiel dresden