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Homohalal - von Ibrahim Amir – Staatsschauspiel Dresden - Kleines Haus | Alle Veranstaltungen

 

 Homohalal

Im Dezember 2012 besetzten Asylsuchende aus dem Mittleren Osten die Wiener Votivkirche, um auf ihre prekäre Lebenssituation in Österreich aufmerksam zu machen. Es entbrannte eine heiße Debatte in den Medien, Parteien und private Initiativen von Links und von Rechts schalteten sich ein. Die „Schutzflehenden“ wurden einerseits idealisiert, andererseits kriminalisiert. Der aus Syrien stammende und in Wien lebende Autor Ibrahim Amir arbeitete zwei Jahre lang in Workshops mit  Geflüchteten und Aktivisten zusammen und führte zahlreiche Gespräche mit den verschiedenen Beteiligten. 
Das aus dieser Arbeit entstandene Stück „Homohalal“ spielt im Jahr 2033: Die Aktiven von damals treffen sich wieder, um an die gute alte Zeit und die politischen Kämpfe der Vergangenheit zu erinnern. Interkulturalität ist in dieser künftigen Gesellschaft längst kein Fremdwort mehr, niemand wird mehr aufgrund seiner Herkunft pauschal kriminalisiert und einige der Geflüchteten haben sogar den gesellschaftlichen Aufstieg geschafft. Doch im Laufe des Abends bröckelt die Fassade aus Harmonie und Sentimentalität. Alte Wunden brechen auf und unvereinbare Weltanschauungen prallen aufeinander. Als öffentlich wird, dass der Sohn des Falafel-Verkäufers Salamah in den gleichaltrigen Michi verliebt ist, läuft schließlich alles aus dem Ruder. Aber wie soll man jemanden anständig umbringen, der vor Aufregung vorher ohnmächtig wird?

Amirs schon im Vorfeld umstrittenes Stück ist rasant komisch und unbequem, weil es falsche Toleranz und gutgemeinte Missverständnisse schonungslos entlarvt. Es ist ein Plädoyer gegen Vereinfachungen und vorgefertigte Weltanschauungen – egal von welcher Seite. Gemeinsam mit der Regisseurin Laura Linnenbaum, die durch ihre Arbeiten am Schauspiel Frankfurt von sich reden machte, wird Amir das Stück auf die Situation in Dresden anpassen. 

quelle: staatsschauspiel dresden