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Hubertus Giebe - Schein & Chock – Städtische Galerie Dresden - Kunstsammlung | Alle Veranstaltungen

 

Öffnungszeiten:  Di – So 10 bis 18 Uhr und Fr 10 bis 19 Uhr Mo geschlossen 

 Zentrum des Werkes von Hubertus Giebe stehen großformatige, expressive Geschichtsbilder, die er seit Ende der 1970er Jahre entwickelt. Darin drängen sich auf schmalen Raumbühnen Schaufensterpuppen, Zwerge, Gefolterte, Aktfiguren und andere Gestalten. Der Künstler reagiert damit auf Ideologien und Weltentwürfe, den ewigen Fortgang von Macht und Repression und erschafft so Sinnbilder für die Existenz des Menschen. Neben dieser bedeutenden Werkgruppe setzt sich Hubertus Giebe ebenso mit den klassischen Themen Landschaft, Porträt, Stillleben und dem Akt auseinander. Weniger bekannt sind seine plastischen Arbeiten, in denen er Motive aus seinen Gemälden in die dritte Dimension überträgt, aber auch sarkastische Gesellschaftsgrotesken entwirft. Giebes fundiertes Wissen um die abendländische Kunstgeschichte, seine intensiven Studien zu Literatur und Philosophie, bilden von Beginn an bis heute eine wesentliche Quelle seiner Inspiration.

15.10.2016 - 08.01.2017
Details www.galerie-dresden.de
Alle in Städtische Galerie Dresden - Kunstsammlung
Pirnaischer Platz (Bus 62, 75, 261, 305, 326, 328, 333, 360, 424; Tram 1, 2, 3, 4, 7, 12)
15/10/2016 08/01/2017 true Kulturkalender Dresden info@kulturkalender-dresden.de Hubertus Giebe - Schein & Chock Städtische Galerie Dresden - Kunstsammlung 38 DD/MM/YYYY
 

Der Titel

Die ungewöhnliche Schreibweise des Begriffs „Chock“ geht auf den Philosophen Walter Benjamin zurück. Dieser hatte 1939 einen Text zur Lyrik von Charles Baudelaire verfasst: Die Aufhebung des schönen Scheins, der Aura, erfahre der „moderne Wahrnehmer“ im Ereignis des Chocks, indem er das bebende Leben als „erstarrt“ und „wie in einem Augenblick“ gebannt erlebe. Dieses blitzhafte Aufnehmen der Großstadt, die Plötzlichkeit des „Chocks“, sei die Vorbedingung der Avantgarde des literarischen Dadaismus, aber auch des Films. „Schein & Chock (für Walter Benjamin)“ lautet der Titel eines Gemäldes von Hubertus Giebe aus dem Jahr 1983, das sich heute im Ludwig-Museum des Russischen Museums St. Petersburg befindet.
 

Die Ausstellung

(Hubertus Gibe - Wattenmer bei Dangast 2004, Foto EMOD) Die Städtische Galerie Dresden hat für diese Ausstellung wichtige Gemälde des Künstlers aus privaten und öffentlichen Sammlungen zusammen-getragen. In ihrer Gesamtheit bieten sie einen Einblick in die Entwicklung des malerischen Schaffens von Hubertus Giebe. Das Frühwerk der 1970er Jahre, anfangs akribisch in lasierender Maltechnik ausgeführt, steht noch in der Tradition der Neuen Sachlichkeit. In den darauf folgenden Jahren entwickelt sich Giebes malerischer Duktus hin zu einem freieren Farbauftrag mit expressivem Pinselduktus. 

Ende der 1970er Jahre findet der Künstler zu seiner eigenen Handschrift, die seine Malerei bis heute bestimmt: Angeregt von Günter Grass’ Roman „Die Blechtrommel“ und Heiner Müllers Stück „Die Schlacht“, greift er zur Idee der Verdichtung und Montage, indem er albtraumhafte Szenerien und Figuren unvermittelt neben- und übereinandersetzt. Er zeigt sich sensibel für die Verwerfungen und Krisen in der Geschichte, die jederzeit wieder aufzubrechen drohen.

Landschaften, Bildnisse, Stillleben und Aktdarstellungen begleiten Hubertus Giebe von seinen Anfängen bis in die Gegenwart. Mal erscheinen sie in schrillen Tönen, mal beruhigt in den Farben des Lichts und der Natur – immer aber offenbaren sie die starke Emotionalität und Vehemenz, mit der Giebe den Pinsel führt. Erstmals werden plastische Werke von Hubertus Giebe museal präsentiert. Das Experimentelle, auch das Zynisch-Groteske kommt in diesem Medium besonders zum Tragen. Seit dem Jahr 2000 arbeitet der Künstler in Bronze. 

In der Ausstellung werden 28 Gemälde aus den Jahren 1972 bis 2014 gezeigt, sowie sechs plastische Arbeiten von Ende der 1990er Jahre bis 2015
 

Der Künstler 

(Hubertsu Giebe - Selbstbildnis 2014, Foto EMOD). Hubertus Giebe (geb. 1953) verkörpert eine der wichtigen künstlerischen Positionen figurativer Malerei in Deutschland. 1974 begann er ein Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, das er jedoch aufgrund diverser Reglementierungen auf eigenen Wunsch vorzeitig beendete. 1978 legte er sein Diplom an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig ab. Anschließend war er Meisterschüler von Bernhard Heisig. Von 1979 bis 1991 lehrte er an der Dresdner Kunsthochschule, zuletzt als Dozent für Malerei und Grafik. 1991 kündigte er das Lehrverhältnis und legte das Amt als Prorektor der HfBK nieder, um sich ganz seiner Kunst widmen zu können. Seitdem ist Hubertus Giebe freischaffend tätig. (fotos

quelle museen-dresden.de