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JAMES RHODES – HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste | Alle Veranstaltungen

 

James Rhodes ist anders als andere Konzertpianisten. Selbst in einer Welt, wo sich klassische Musiker immer mehr zu extrovertierten Weltstars mausern, weil sie sich nicht mit Frack und Fliege an den Flügel setzen und mit ein paar wilden Frisuren angeblich zum „Punk“ werden, ist der Brite eine Ausnahmeerscheinung. Ja, auch er kommt in T-Shirt und Turnschuhen auf die Bühne. Er hat sich den Namen Sergei Rachmaninovs in kyrillischen Buchstaben auf den rechten Unterarm tätowieren lassen. Er trägt einen Dreitagebart und eine Hipsterbrille und raucht sogar öffentlich Zigaretten. Wirklich shocking aber ist seine Geschichte, die er in seiner Autobiografie „Der Klang der Wut“ öffentlich gemacht hat, das für den Bayerische Rundfunk „ohne Zweifel das verrückteste Buch über die Segnungen der klassischen Musik ist, das je geschrieben wurde“. Darin beschreibt er, wie er als Siebenjähriger und in den weiteren Jahren von seinem Sportlehrer vergewaltigt wurde, wie er Scham empfunden hat, wie er in späteren Jahren abstürzte, Selbstmordversuche unternahm und in der Psychiatrie ruhiggestellt wurde. Aber auch, wie ihm die klassische Musik das Leben rettete. Es war ein Stück von Johann Sebastian Bach, das Konzert Nr. 3 d-Moll BWV 974: „Wenn etwas so Starkes, so Schönes existieren kann“, sagt Rhodes, „dann kann ja nicht alles schlecht sein. Da sagte ich mir: Okay, ich mach‘ noch ein bisschen weiter.“ Heute spielt James Rhodes Beethoven, Chopin, Prokofjev und vor allem Bach vor einem begeisterten Publikum, das sonst selten in den großen Musikhallen auftaucht. Und er spricht über das, was er da spielt, in einem rotzigen Ton, ungeschminkt und voller Aufrichtigkeit. Es spricht auch über sein Leben. Und über die Schönheit der Musik, die lange Zeit seine einzige Freundin war. James Rhodes ist wirklich anders als alle anderen, er hat etwas zu erzählen. Und zu spielen.

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