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Jan Brokof. Hans Staden TV – Städtische Galerie Dresden - Kunstsammlung | Alle Veranstaltungen

 

Jan Brokof. Hans Staden TV

In seiner neu für die Städtischen Galerie zusammengestellten Installation „Hans Staden TV“ vereint Jan Brokof (geb. 1977 in Schwedt/Oder) das Medium Video mit skulpturalen Objekten und grafischen Werken wie Fotografien, Zeichnungen und Collagen. Inhaltlich beschäftigt den Künstler die Verbindung zwischen den Brasilien-Abenteuern des deutschen Landknechts Hans Staden (1525-1579), die dieser 1557 zu einem Roman verarbeitete, und seinen persönlichen Erfahrungen in São Paulo. Mit „Hans Staden TV“ werden Stereotypen aus der Kolonialzeit vorgestellt und deren Weiterleben aufgedeckt.

Öffnungszeiten
Di – So, Feiertage: 10 – 18 Uhr
Fr: 10 – 19 Uhr
Mo: geschlossen

24./25.12. und 31.12.2016 geschlossen
1.1.2017 von 14 Uhr bis 18 Uhr geöffnet

03.10.2016 - 08.01.2017
Details www.museen-dresden.de
Alle in Städtische Galerie Dresden - Kunstsammlung
Pirnaischer Platz (Bus 62, 75, 261, 305, 326, 328, 333, 360, 424; Tram 1, 2, 3, 4, 7, 12)
03/10/2016 08/01/2017 true Kulturkalender Dresden info@kulturkalender-dresden.de Jan Brokof. Hans Staden TV Städtische Galerie Dresden - Kunstsammlung 38 DD/MM/YYYY
 

Jan Brokof Hans Staden TV 

Zur Ausstellung Seit seiner Bekanntschaft mit Brasilien arbeitet Jan Brokof an einer künstlerischen Bewältigung von Unterschieden zwischen der „Alten“ und der „Neuen“ Welt, aber auch an Recherchen zu etwaigen Verbindungen zwischen beiden und zu deren Wurzeln. Eine solche, wohl die früheste Verbindung, ist die Figur des deutschen Landsknechts Hans Staden. Geboren um 1525, kam Staden 1548 im Dienste des portugiesischen Königshauses nach Pernambuco, um aufständische Indianer zu bekämpfen. Nach verschiedenen Abenteuern geriet Staden in Gefangenschaft der Tupinambás, welche des Kannibalismus bezichtigt wurden, befreite sich aber, bevor er einer rituellen Verspeisung zum Opfer fiel. 1557 erschien auf der Basis seiner Berichte in Marburg das Buch Warhaftige Historia und beschreibung eyner Landtschafft der Wilden Nacketen, Grimmigen Menschfresser-Leuthen in der Newenwelt America gelegen. Wahrscheinlich starb Staden 1576 in Wolfhagen.

Der Frankfurter Goldschmied, Kupferstecher und Buchhändler Theodor de Bry begann 1590, eine Reihe von damals klassischen Beschreibungen von Reisen nach Amerika und Asien zu illustrieren und zu verlegen. Nach seinem Tod 1598 setzte seine Familie das Projekt bis 1634 fort. Zu de Brys bekanntesten Editionen zählen die Reisen von Columbus und auch die Abenteuer von Hans Staden.

Jan Brokof verarbeitet in seiner vielteiligen Auseinandersetzung u.a. die Reflektionen Heiner Müllers zu Bertolt Brechts Ästhetik des Hungers aus dessen Textfragment Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer und deren Verbindungen zu Oswald de Andrade und seinem Anthropophagischen-Manifest von 1928 als Dokument der brasilianischen Moderne. In diesem heißt es sinngemäß, dass der Weg Brasiliens zur Moderne nur durch den Rückgriff auf die autochthone Kulturtechnik beschritten werden kann. Dies geschieht durch die Einverleibung des Feindes, womit dieser in ein Totem verwandelt wird.

Auf seine ganz persönliche, höchst fantasievolle Art nimmt uns Jan Brokof mit auf eine Gedankenreise durch den Kosmos seiner assoziativen Recherchen. Hinzu kommen Überlegungen zu Darstellungen des Fremden überhaupt, zur Analogie von Kapitalismus und Kannibalismus, zu formalen Beziehungen der Darstellung des Kannibalismus von de Bry bis zum modernen Splatter-Film und zu europäischen Stereotypen hinsichtlich der „Tropen“ als Ideal und Gefahrenquelle zugleich.

2015 lernte Jan Brokof auf dem Prototype-Festival in São Paulo die Künstlergruppe 44flavours kennen. Hinter dem zwischen Street Art, Design und Bildender Kunst im klassischen Sinne agierenden Projekt verbergen sich Sebastian Bagge und Julio Rölle. Gemeinsam mit diesen begann Jan Brokof eine noch immer andauernde Zusammenarbeit der spielerischen Auseinandersetzung mit der Stadt São Paulo. So entstanden beispielsweise die einzelnen Teile der Installation Big City Light S. P. zunächst als Setting für eine Videoperformance. 

Jan Brokof geb. 1977 in Schwedt/Oder 1999–2004 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden 2004–2006 Meisterschüler bei Ralf Kerbach lebt und arbeitet in Berlin 

quelle museen dresden