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Kristian Harting + Antikaroshi – Scheune Dresden | Alle Veranstaltungen

 

Kristian Harting
DK - Exile On Mainstream

“Summer Of Crush” heißt das neue Album von Kristian Harting, unserem dänischen Troubadour, dessen 2014er Debüt-Album “Float” nicht nur mit medialen Begeisterungsstürmen bedacht wurde, sondern auch beim Publikum renommierter Festivals wie dem ROADBURN oder auf Tour mit FUTURE ISLANDS gefeiert wurde. Mit seinen 12 neuen Songs präsentiert Kristian ein weiteres Mal seine songwriterische Klasse im Spannungsfeld aus Lo-Fi Pop, Mali Blues, Avantgarde Folk und beeindruckenden Soundscpape-Eskapaden, die er mit Hilfe von Loops, Effekten und einem mit den Füßen gespielten Moog zu wahren Klangkaskaden aufschichtet. Wenn auch die Herangehensweise an seine Tracks dieselbe geblieben ist, legt er auf dem neuen Album den Fokus jedoch noch stärker auf Pop als beim Vorgänger. Die Songs sind zugänglicher, präsenter und optimistischer. Trotzdem atmen die Stücke auch hier wieder eine warme Melancholie, in deren schamanischer Intonierung man sich als Hörer verlieren kann.

Kristian Harting selbst ist in der dänischen Musikszene kein Unbekannter. Bereits Anfang der 90er Jahre begann er in Thrash Metal Bands wie u.a. Avoid zu sielen, die auf dem mittlerweile legendären Sampler ‚Fuck You, We’re From Denmark’ vertreten waren. Gegen Ende der 90er Jahre spielte er in verschiedenen Noise Pop Bands, wie u.a Dr. Berg und arbeitete mit Musikern wie Jacob Krogholt (Rising, Bjoerst, Withering Surface), Mick Grondahl (Jeff Buckley, Beth Orthon) und Jesper Bo Hansen (Anne Linnet, Ida Gaard) und den Produzenten Kim Hüttel (Sort Sol, The Sandmen) and Magnus Groth (Sort Sol, Kira and the Kindred Spirits) zusammen. Aus dieser Arbeit entstanden vier EPs, zwei Alben und diverse Touren in Skandinavien. Im Jahre 2004 gründete er dann mit Mads Beldring und Jakob Falgren die Band DreamJockey, die auch außerhalb von Dänemark Erfolge verbuchen kann. DreamJockey veröffentlichten bisher zwei Alben; „Wake Up Rock” (ToneTribanalet 2006) und “Earthquakes, Religion and Heartaches” (Divine Records 2011). Beide Alben entwickelten sich in Dänemark dank massivem Airplay zu kleinen Hits und DreamJockey tourten als Duo (nur mit Mads Beldring) in Deutschland, Schweden, den Niederlanden, Belgien, England und Skandinavien. 2012 und 2014 tourte Kristian solo ausgiebig in Europa, spielte u.a. auf dem ROADBURN FESTIVAL (2014) und dem SOUTH OF MAINSTREAM FESTIVAL (2012) sowie komplette Touren mit u.a. CONNY OCHS, FRIEDEMANN und FUTURE ISLANDS (2014)

Antikaroshi
GER - Exile On Mainstream

Jenseits der 30 erfolgt meist der Blick in den Spiegel, oder der Besuch auf sog. Ü30-Partys. Oder manchmal auch beides. Wenn man, wie die Potsdamer The Antikaroshi Subkultur nicht nur lebt, sondern seit Jahrzehnten gestaltet, stellt das erste, erwachsene Erschauern vor der eigenen Vergänglichkeit zweifellos eine Zäsur dar: Gibt es noch so etwas wie Sozialkritik, abseits von Direct-Action auf dem Gebiet der Ideen? Lässt sich Wut gegen gesellschaftliche Verhältnisse überhaupt noch musikalisch verarbeiten und ist Musik das adäquate Mittel dafür? Was ist noch von Bedeutung, wenn man die 30 längst überschritten hat? Und wie verknüpft man diese Einflüsse mit dem, was einen musikalisch in diesem Kontext bewegt hat?

Der Abnutzung und dem Rundschliff des eigenen Aktionismus stellt sich hier nicht selten eine gewisse Resignation und Selbstreferentialität ein, die man anfangs möglicherweise noch ablehnt, die aber dann auch als Chance begriffen werden kann. Das neue, mittlerweile vierte Album von THE ANTIKAROSHI singt das sprichwörtliche Lied davon. Und es trägt die Verarbeitungsmuster bereits im Titel – die Band beschreibt es als: „das Vergnügen, von drei Freunden , sich einmal in der Woche mittwochs im Proberaum zu treffen und auf irgendeine Art AUSZUDRÜCKEN – sich also Zeit NEHMEN um schlussendlich so ehrlich wie möglich eine neue Platte aufzunehmen.“ In einer klaren Absage an Perfektionismus und eine ‚Produktion‘ im eigentlichen Sinne mieteten sich The Antikaroshi im Mai 2015 für 2 Tage im Schaltraum Studio Berlin ein und spielten die 11 Songs ihres aktuellen Albums live ein – kein Konzeptalbum, kein Masterplan, mehr Fragen als Antworten, aber dann am Ende doch eine Struktur für den Umgang mit nun alltäglich gewordenen Fragen (und ja, auch – phrasen):

„work-life-balance schön und gut, aber was ist mit den Dingen, die weder Arbeit noch Privatleben sind – also jenseits von einem und ohne einen passieren, die einen aber trotzdem beschäftigen? Als 9-to-5-Mensch bleibt hier Weltsicht und -verständnis notgedrungen in ALLEM fragmentarisch. Wo uns Worte zur Verständigung nicht ausreichen, braucht es eine weitere Dimension. Ton+Klang zum Beispiel. Auch hier gibt es Konventionen, sicher. Dennoch haben wir hier das befreiende Gefühl, abbiegen zu können, uns zu überraschen und etwas anderes als ‚Alltag‘ ausdrücken zu können. Darum geht es an diesem Mittwochabend: Austausch. Auf vielen Ebenen.“

Und so liefern The Antikaroshi ein Album ab, das vor allem Fragen stellt, ohne dafür die 10 x 5-minütigen Antworten zu haben; das sich mit inneren Konflikten ebenso auseinandersetzt wie oben beschriebenen Dissonanzen in der Underground-Kultur. Musikalische Konfliktverarbeitung. Es ist nicht überraschend, dass ihr Sound in die Nähe von Bands wie Fugazi, Faraquet oder Shudder To Think rückt - den Protagonisten des DC Undergrounds, in dem sich Mitte der 90er viele Bands ähnliche Fragen stellten und kongenial in Musik umsetzten.

quelle scheune.org