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LUBOMYR MELNYK (UKR) – Beatpol Dresden | Alle Veranstaltungen

 

Wie kann es eigentlich sein, dass mit Lubomyr Melnyk, immerhin schon Ende Sechzig, einer der bedeutendsten Musiker unserer Zeit erst in den letzten Jahren richtig bekannt wurde!? Denn um vergleichbare Improvisationskünstler am Klavier, wie Terry Riley oder Keith Jarrett, gab es doch bereits in den Sechzigern und Siebzigern ein Riesentamtam? Ein gewisses Mysterium rankt sich noch immer um den ukrainisch-kanadischen, 1948 in München geborenen und in Kanada aufgewachsenen, Komponisten. Denn gäbe es nicht das britische Avantgarde-Label Erased Tapes Records, deren Macher 2013 voller Begeisterung beschlossen, Lubomyr Melnyk zu veröffentlichen und somit für seinen späten, weltweiten Ruhm sorgten, wer weiß? Mr. Melnyks knappe Antwort damals: „Sehr gern, aber wo ward ihr Typen denn, als ich dreißig war?“ Recht hat er, denn bereits 1978 setzte die New Yorker Zeitschrift „Village Voice“ Melnyks Debütalbum „KMH – Piano Music in the Continuous Mode“ auf die Liste der „10 Alben, ohne die man nicht leben kann“. Lubomyr Melnyk hat über 120 Werke geschaffen, vor allem für Klavier solo, aber auch für Klavier und Ensemble. Er bezeichnet seine Musik etwas prosaisch als „Continuous Music“ und schrieb darüber auch verschiedene Abhandlungen. Formal folgt er den Ideen der Minimal Music, klanglich werden dabei aber auch ganz andere Höhen und Untiefen ausgelotet. Denn inhaltlich ist Melnyk durchaus der spätromantischen Musik eines Claude Debussy, eines Maurice Ravel, oder eines Franz Liszt verpflichtet. Nur transportiert er diese Ideen eben mittels einer fast unmenschlich schnellen und trotzdem zarten und sanften Technik ins 21. Jahrhundert. 1985 stellte Lubomyr Melnyk zwei Weltrekorde auf, die an der Sigtuna Stiftelsen in Schweden filmisch und akustisch dokumentiert wurden. Er gilt seitdem als „schnellster Pianist der Welt“ und ist in der Lage, 19,5 Noten pro Sekunde zu spielen. Das ist mehr, als das menschliche Ohr überhaupt wahrnehmen kann.
Lubomyr Melnyks seltene Live-Auftritte sollten Liebhaber zeitgenössischer Klavier- und Improvisationsmusik auf keinen Fall verpassen! Denn wenn der passionierte Rauschebartträger in die Tasten greift, in rasanter Folge Töne um Töne niedergehen, wie ein warmer, sanfter Regen, öffnen sich dem Zuhörer ganze Galaxien, gleicht Melnyks Spiel einer fast religiösen (Selbst-)Erfahrung.

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