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LUCINDA WILLIAMS – Alter Schlachthof Dresden | Alle Veranstaltungen

 

Die Wege des Erfolgs sind meist unergründlich. So viele Faktoren spielen dabei eine Rolle, die nichts mit der eigentlichen Qualität eines Musikers zu tun haben. Die amerikanische Folk- und Country-Musikerin Lucinda Williams kann viele Lieder davon singen. Fast 20 Jahre musste sie auf die Akzeptanz der Öffentlichkeit warten, bis ihr der Erfolg beschieden war, den sie verdient hat. Mittlerweile zählt sie dafür zu den tragenden Persönlichkeiten der zeitgenössischen amerikanischen Country-, Folk- und Americana-Szene, erhielt mehrere Grammys für ihre Arbeit und wurde vom TIME-Magazine ausgezeichnet als „Amerikas beste zeitgenössische Songwriterin“. Wie außergewöhnlich intensiv ihre Musik ist, kann der Fan auf ihrer anstehenden Deutschland-Tournee erleben: Williams lädt bei diesen Konzerten ein zu einem intimen Song-Abend, bei denen sie begleitet wird von ihrem Langzeit-Kollaborateur, dem The Wallflowers-Gitarristen Stuart Mathis.

In der Rückschau ist es so erstaunlich wie unverständlich, warum Lucinda Williams mit ihrem enorm aufrichtigen, stets höchst gefühlvoll und akribisch aufgenommenem Werk über eine derart lange Zeit eher eine Randnotiz in der Musikszene war. Denn schon lange, bevor sie endlich den kommerziellen Erfolg erlangte, der ihr zusteht, gab es zahllose Indizien für ihre künstlerische Qualität. So gewann sie etwa 1994 ihren ersten Grammy für den besten Country-Song, aber nicht als Interpretin, sondern als Komponistin – ausgezeichnet wurde die Coverversion der Kollegin Mary Chapin Carpenter. Eine andere Kollegin, Emmylou Harris, sagte über Williams: „Sie ist ein Beispiel für das Beste, was Countrymusik zumindest behauptet zu sein. Aber aus irgendeinem Grund wird sie nicht wahrgenommen. Ich habe das starke Gefühl, dass der Countrymusik dadurch etwas entgeht.“ Nun, alle diese Versäumnisse sind inzwischen glücklicherweise Geschichte, und Williams ist als das akzeptiert und anerkannt, was sie ist: eine der begnadetsten Songwriterinnen und Stimmen der traditionellen amerikanischen Musik zwischen Country, Folk, Americana und Rockmusik.

Viele ihrer Songs erzählen vom Reisen und Unterwegssein, vom Einatmen fremder Kulturen und dem Zurückgeworfensein auf sich selber in der Fremde. Das kommt nicht von ungefähr, denn die 1953 in Louisiana geborene Tochter eines Literaturprofessors war es von Kindertagen an gewohnt, viel umzuziehen und sich in neuen Umfeldern zu behaupten. Sie lebte mit ihrer Familie in zahlreichen Städten der USA, zeitweise auch in Mexiko und Chile; ihr treuester Begleiter ab ihrem 12. Lebensjahr war dabei ihre Gitarre, der sie in Form erster Songs auch ihr Innenleben anvertraute. Eine Beziehung, die sich in gewisser Weise bis heute nicht verändert hat, wenn man Lucinda Williams auf der Bühne erlebt: Nur selten bilden Musiker und Instrument eine solche geradezu physisch erfahrbare Einheit. 

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