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Maß für Maß von William Shakespeare – Staatsschauspiel Dresden - Großes Haus | Alle Veranstaltungen

 

Maß für Maß

Shakespeares „dunkle Komödie“ ist faszinierend und verwirrend. Sie ist voller widersprüchlicher und gegensätzlicher Ansichten – egal, ob moralische, juristische oder religiöse Themen verhandelt werden. Schon die Frage, um wen es in diesem Stück eigentlich geht, ist nicht leicht zu beantworten: Geht es um den Herzog Vincentio, der einfach keine Freude mehr an seinem Amt hat und es deshalb seinem Stellvertreter Angelo überträgt und sich anschließend aus dem Staub macht? Geht es folglich um Angelo, der, kaum im Amt, vorehelichen Sex wieder unter Haftstrafe stellt, was ihm später selbst zum Verhängnis wird? Oder geht es um Claudio, an dem die Strafe zuerst vollzogen werden soll? Steht vielleicht die Nonne Isabella, Claudios Schwester, im Mittelpunkt, die beim Statthalter um Begnadigung fleht und in ihrer strengen Gläubigkeit genauso halsstarrig ist wie Angelo in seiner rigiden Staatsführung? Oder sind die eigentlichen Hauptfiguren das Fußvolk, das Rotlichtmilieu, durch die Puffmutter Overdone und den Zuhälter Pompejus vertreten, die ihre Existenz bedroht sehen?
„Maß für Maß“, 1604 uraufgeführt, ist ein Stück voller Rätsel. Es beginnt als ­Tragödie und endet als Komödie mit einer großen Versöhnungsszene. Shakespeare entwirft eine Groteske, in der die politische Obrigkeit jeden Bezug zum Volk verloren hat. Mehr noch: Vor den erlassenen Gesetzen sind eben längst nicht alle gleich; zumindest dann nicht, wenn Politik, Geld und Sex erst mal unglückselige Verbindungen eingegangen sind. Am Ende gewinnt nicht, wer gut, aufrichtig oder gerecht ist, sondern wer clever genug ist, so zu erscheinen.
Quelle: Staatsschauspiel Dresden