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Michael Kohlhaas – Staatsschauspiel Dresden - Kleines Haus | Alle Veranstaltungen

 

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nach der Erzählung von Heinrich von Kleist | Mit den Studentinnen und Studenten des Schauspielstudios Dresden | Regie: Philipp Lux | Premiere am 6. März 2016 | Kleines Haus 2

Kleist nennt Michael Kohlhaas den „rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit“. Er hätte „als Muster eines guten Staatsbürgers“ gelten können, „wenn er in einer Tugend nicht ausgeschweift hätte. Das Rechtgefühl aber machte ihn zum Räuber und Mörder.“
Mit einem herrschaftlichen Willkürspaß fängt es an. Als nämlich der Rosshändler Michael Kohlhaas aus Kohlhaasenbrück an der Havel mit einigen Pferden die Tronkenburg passieren will, soll er dem sächsischen Junker einen Passschein vorweisen – neues Gesetz. Weil er dies nicht kann, muss er zwei Rappen als Pfand zurücklassen. Natürlich war der Passschein ein Märchen, wie Kohlhaas in Dresden erfährt, die Rappen aber sind auf der Tronkenburg zu dürren Mähren geworden. Kohlhaas fordert Schadenersatz. Umsonst. Er gelangt von Instanz zu Instanz, der Prozess wird verschleppt, die korrupten Gegner werden protegiert, und in seinem erbitterten Bemühen, Recht und Gerechtigkeit zu erhalten, verliert Kohlhaas alles: Frau, Familie, Hof, Wohlstand. Als einer, den die Gesetze nicht schützen, stellt sich Kohlhaas schließlich außerhalb des Gesetzes und greift das Gemeinwesen an: Er wird zum Mordbrenner und legt für seine Gerechtigkeit Dörfer und Städte in Schutt und Asche.
Heinrich von Kleists Erzählung entstand in den Jahren 1805 bis 1810 und beruht auf einer wahren Begebenheit: Im 16. Jahrhundert zog tatsächlich ein ungerecht behandelter Pferdehändler Hans Kohlhase fünf Jahre lang plündernd durch Sachsen. Michael Kohlhaas wird schließlich für seine Verbrechen zum Tode verurteilt, erhält aber gleichzeitig endlich auch den ­Schadensersatz für seine beiden Rappen – und damit Gerechtigkeit. Kleists Text stellt Fragen nach Macht und Ohnmacht, Rache und Großmut genauso wie nach Recht und Gerechtigkeit und nach dem Maß von zivilem Ungehorsam, er beschreibt die Ursprünge des Terrors aus dem Gefühl von Ohnmacht und Sturheit und benennt damit die Dialektik von Spießbürgertum und Rebellion. Philipp Lux wird den Stoff mit den Studentinnen und ­Studenten des Schauspielstudios Dresden, dessen Leiter er auch ist, in Szene setzen. 

quelle: staatsschauspiel dresden