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"Mönche auf dem Königstein" – Festung Königstein | Alle Veranstaltungen

 

 "Mönche auf dem Königstein"

Im Jahr 1516, am Vorabend der Reformation, gründete der sächsische Herzog Georg der Bärtige (1471 - 1539) auf dem Plateau des Tafelberges Königstein im Elbsandsteingebirge ein Cölestinerkloster. Das 500. Gründungsjubiläum des Konvents, der nur acht Jahre bestanden hat, ist ab 23. April Anlass für die Sonderausstellung „Mönche auf dem Königstein und wie ‚der böse Samen Doctor Luthers‘ sie vertrieb“.

Mönche des Cölestinerordens lebten an abgeschiedenen Orten nach der Regel des Heiligen Benedikt, die Armut, Keuschheit und Gehorsam vorschrieb. Sie waren vor allem in Frankreich und Italien verbreitet. Eine Ausnahme stellte der Konvent auf dem Oybin im Zittauer Gebirge dar. Von dort siedelten 1516 einige Mönche auf den Königstein in das „Kloster des Lobes der Wunder Mariae“ über. Das Königsteiner Kloster war das letzte, das vor der Reformation im Herzogtum Sachsen gegründet wurde.

Zwölf Mönche und ein Prior bewohnten den Konvent, der von Anfang an unter keinem guten Stern stand: Die Brüder beklagten unwirtliche Bedingungen, den Bauverzug am Kloster und dessen unzureichende finanzielle Ausstattung. Als Martin Luther seine 95 Thesen veröffentlichte, nahmen auch die Königsteiner Mönche Anteil an der Bewegung. Der Prior Johannes Mantel flüchtete heimlich nach Wittenberg, um sich dort dem Reformator anzuschließen. Nach und nach folgten ihm weitere Mönche. Als 1524 nur noch ein Bruder übrig war, wurde das Kloster aufgelöst.

- Eine Vielzahl an Leihgebern -

Einen Blick in diese bewegte Zeit gewährt die neue Sonderausstellung. Hochkarätige Leihgaben von knapp 30 Museen, Kirchen, Klöstern, Archiven und Bibliotheken, darunter auch italienische Kunstsammlungen, dokumentieren das mittelalterliche Mönchtum, die einstige Klosterlandschaft in Sachsen, den Cölestinerorden und die Zeit der Reformation, die wesentlich zur Auflösung des Klosters beitrug.

Zu den Höhepunkten der von Hans Dieter Schaal gestalteten Schau zählen originale Dokumente aus der Geschichte des Königsteiner Klosters, wie das Konzeptschreiben der Klostergründung und ein Schriftstück Herzog Georgs, der befürchtete, dass der „böse Samen Doctor Luthers“ in sein Kloster eindringe. Auch zeitgenössische Madonnenfiguren, Gemälde und Grafiken, klösterliche Architekturfragmente, Bodenfunde, Pläne, Bücher und eine Truhe des Ablasspredigers Johannes Tetzel sind zu sehen. In einem zweiten Teil der Ausstellung lädt eine Installation aus Licht und Klang zum meditativen Eintauchen in die geistig-religiöse Atmosphäre jener Zeit ein.

- Klosterpforte ist erhalten -

Eines von wenigen baulichen Zeugnissen des Cölestinerklosters auf dem Königstein ist die Eingangspforte. Als der Tafelberg zur Landesfestung ausgebaut wurde, erhielt er ein völlig neues Aussehen. Der einstige Zugang zum Kloster verschwand hinter dicken Mauern, blieb jedoch in einem Hohlraum über die Jahrhunderte hinweg erhalten. Restauratoren ist es gelungen, das spätmittelalterliche Sandsteinportal abzuformen und für die Ausstellung originalgetreu zu reproduzieren.
In Medienstationen kommen neueste baugeschichtliche Untersuchungen zum Konvent auf dem Königstein und zur Garnisonskirche zur Sprache.
Dem Grundriss des Klosters, der auf den ältesten Festungsplänen noch eingezeichnet ist, spürten Archäologen vor Ort mittels Bodenradartechnik nach. So konnte seine räumliche Ausdehnung für Besucher im Freien sichtbar gemacht werden. Die Existenz eines Klostergartens ist zwar nicht nachgewiesen, jedoch wahrscheinlich. Ein nach historischen Vorlagen temporär angelegter Garten zeigt Dutzende von Würz- und Heilkräutern, Duft- und Symbolpflanzen sowie Rosensorten jener Zeit.

- Auch für Kinder attraktiv -

Die Ausstellung ist auch für den Besuch mit Familie geeignet: Kinder werden vor allem am Cölestinerlied, am Comic über den Ablasshandel, an einem interaktiven Spiel und einer künstlerischen Installation viel Spaß haben. Kindgerechte Texte vermitteln Wissenswertes. „Mönche auf dem Königstein und wie ‚der böse Samen Doctor Luthers‘ sie vertrieb“ ist vom 23. April bis zum 1. November 2016 in Deutsch, Englisch und Tschechisch erlebbar. ■

Quelle: Festung Königstein