Schauspiel |

Nichts in Sicht - nach dem Roman von Jens Rehn – Ruine der Trinitatiskirche Dresden | Alle Veranstaltungen

 

Nichts in Sicht

Ein deutscher U-Boot-Matrose und ein amerikanischer Pilot treiben in einem Schlauchboot im Atlantik. Es ist das Kriegsjahr 1943. Der Amerikaner, der Einarmige, ist schwer verwundet und stirbt am dritten Tag, der Deutsche, der Andere, verdurstet eine Woche später. Unerbittlich entfaltet sich zwischen zwei Menschen, die ohne jede Hoffnung dem Tod ausgeliefert sind, ein endzeitliches Szenario, in dem nichts bleibt als das elendig verreckende Gegenüber, nichts als die vage Erinnerung an ein Leben vor dem Krieg – Ahnungen von einer Einfachheit, friedlichen Banalität, die angesichts des Todes fremd und zugleich unfassbar wertvoll werden. 
In drastischer Klarheit stellen sich die Fragen nach dem Wesen des Menschen und der Existenz eines göttlichen Gegenübers. Eine eindringlich warnende Parabel über die Sinnlosigkeit des Krieges.  
Jens Rehn, geboren 1918 in Flensburg, verarbeitet in dem 1954 erschienen Roman seine eigenen Kriegserlebnisse bei der Marine. Sein Stil ist nüchtern, unpathetisch und unsentimental. Nach dem Krieg gehörte er zu einem Kreis von Autoren, der sich „Gruppe 12“ nannte und zusammengeschlossen hatte, um einen neuen, sachlichen Ton in der Nachkriegsliteratur zu begründen. Kritiker Marcel Reich-Ranicki würdigte die „hohe Anschaulichkeit und Suggestivität“ des Textes und fügte mit Nachdruck hinzu: „‚Nichts in Sicht‘ sollten wir, dürfen wir nicht vergessen: Es ist beides in einem – ein zeitgeschichtliches und ein künstlerisches Dokument.“

Regie Clara Weyde

quelle: staatsschauspiel dresden