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Notre Nazi (Robert Kramer) & Wundkanal (Thomas Harlan) – Motorenhalle Kultur Forum - Projektzentrum für zeitgenössische Kunst (Riesa Efau) | Alle Veranstaltungen

 

Auf dem Bild zu sehen ist der SS-Obersturmbannführer Alfred Filbert, Abteilungsleiter im Reichssicherheitshauptamt und u.a. Einsatzführer eines SD-Mordkommandos in der Sowjetunion. Aus der Haft entlassen, hat ihm Thomas Harlan 50.000 DM als Gage versprochen, wenn er sich seiner Regie „unterwirft“. „Notre Nazi“ ist die Dokumentation dieses filmischen Experiments mit einem der Haupt-NS-Kriegsverbrecher.

Einführung: Nils Werner
Notre Nazi
Frankreich / Deutschland 1984 
Kann man die Seele eines SS-Obersturmbannführers kapern? Einem Mann echte Reue abringen, der für den Tod Zehntausender persönlich verantwortlich ist? Der Regisseur Thomas Harlan, selbst ein Leben lang im Konflikt mit seinem Vater, dem NS-Propaganda-Star Veit Harlan, hat es zumindest versucht und Anfang der 1980er Jahre eines der verstörendsten deutschen Filmprojekte auf den Weg gebracht: „Wundkanal“. Wie Thomas Harlan die Banalität des Bösen mit allen Mitteln zu ergründen sucht und wie ein Team aus Nachfahren von Holocaust-Überlebenden auf diesen Versuch reagiert, all dies dokumentiert Robert Kramers Making-Of-Doku „Notre Nazi“, ohne Rücksicht auf alle Beteiligten. Willkommen im Abgrund! 

Wundkanal
Deutschland / Frankreich 1984 
Ein alter Mann wird entführt und von seinen Kidnappern verhört. Dabei wird die Biografie eines Massenmörders freigelegt. „Wir haben angefangen, ihn (den SS-Obersturmbannführer Alfred Filbert) zu verhören und ihn dann mittels der Monitore mit seinen Widersprüchen konfrontiert (…) Wenn man mit Filbert spricht, sagt er, dass die Massenmorde nur von demjenigen begangen worden sind, der den Eid geleistet hat. Mit sich selbst identifiziert er diese Figur nie. Das ist etwas, was ich gelernt habe: Die Delegation der Persönlichkeit in einem heute nur schwer nachvollziehbaren Maße ist der große, beruhigende Ausweg. Nur so konnten die Verbrecher aus den Einsatzgruppen im Osten nach dem Krieg buchstäblich sorgenlos, bruchlos in ihre bürgerlichen Berufe zurückkehren.“ (Thomas Harlan)

quelle riesa efau