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Orakel – Semperoper Dresden - Semper Zwei | Alle Veranstaltungen

 

Orakel

Joseph Hernandez

Uraufführung von Joseph Hernandez 
Tanztheater in zwei Teilen für alle ab 8 Jahren

10.12.2016 15:00
Details www.semperoper.de
Alle in Semperoper Dresden - Semper Zwei
Theaterplatz (Tram 4, 8, 9)
KIDS10/12/2016 15:00 10/12/2016 17:00 Kulturkalender Dresden info@kulturkalender-dresden.de Orakel Semperoper Dresden - Semper Zwei 38 DD/MM/YYYY
10.12.2016 18:00
Details www.semperoper.de
Alle in Semperoper Dresden - Semper Zwei
Theaterplatz (Tram 4, 8, 9)
KIDS10/12/2016 18:00 10/12/2016 20:00 Kulturkalender Dresden info@kulturkalender-dresden.de Orakel Semperoper Dresden - Semper Zwei 38 DD/MM/YYYY
 

ORAKEL

 
Das wunderbar erfrischende Tanz-Theater ORAKEL richtet sich an alle Menschen hinter und vor dem Schreibtisch. Es dürfen sich gestandene Manager genauso angesprochen fühlen wie dienstbeflissene Angestellte. Art und Weise, wie künstlerische Körpersprache einen eingeschliffenen Büroalltag und streng gepflegte Hierarchien nachahmt, veranlassen zum Lachen, Schmunzeln  und Nachdenken gleichermaßen. Der Clou: Das verstehen auch Kinder!

Wer hat das selbst nicht schon einmal erlebt: Voller Erwartung betritt Vera, eine junge Frau, einen fremden Raum, ein Büro – und keiner nimmt sie wahr. Sie wird nicht einfach übersehen – nein, da ist Ignoranz im Spiel. Keiner unterbricht seine Arbeit, jeder ist sich selbst am wichtigsten, organisiert nur das eigene Tun und funktioniert wie am Schnürchen, um allein der Chefin zu dienen. Der Chefin, das Orakel. Die zur Institution gewordene Vorgesetzte umhüllt sich mit dem Zauber einer Seherin, die allein für sich beansprucht, Zukunfts- und Entscheidungsfragen zu beantworten. Deshalb wird ihr gehuldigt und dienen ihr die Angestellten scheinbar bedingungslos.

Es grenzt schon an blinden Gehorsam, der die Gebrechlichkeit des angeschlagenen Orakels unbemerkt bleiben lässt. Hat es sich überlebt? Plagen ihm am Ende sogar Selbstzweifel und Ratlosigkeit? Die Distanz zwischen „Der da oben“ und „Denen da unten“ behindert den kritischen Blick für Schwäche. So ist es Vera, die Fremde im System, die einen Wechsel einleitet. Mit beharrlicher Neugier und Selbstvertrauen findet sie ihren Platz in der Gemeinschaft – als neues Orakel am Beginn einer neuen Ära.

Die Solisten und das Corps de Ballet des Semperoper Balletts gehen in der Spielstätte Semper Zwei mit ihrem Publikum auf Tuchfühlung, wie sonst nirgends. Von drei Seiten umgeben sind es nur wenige Meter, die Publikum und Tänzer voneinander trennen. Wenn Aidan Gibson ihr Orakel tanzt, packt sie uns im Inneren und lässt uns mitempfinden, wie elegant sie ihren Mythos entfaltet und schließlich wie gebrochen sie den Rückzug antritt. Caroline Beach lässt Vera als Neue anfangs so daherkommen, wie es den meisten wohl ergehen würde: etwas ungelenk und nicht konform. Mit ihrem zunehmend perfektionierten Tanz lässt sie uns am Wandel teilhaben. Die von Courtney Richardson verkörperte Managerin legt in ihre Bewegungen alles rein, was man sich gern auch so vorstellt: Akkuratesse, Geschwindigkeit und eine gewisse Überheblichkeit und Strenge. Überhaupt ist das Personal vom ORAKEL-Büro permanent im Stress – herrlich das getanzt-gespielte Multitasking von Raquel Martinez als Sekretärin und die klischeebehafteten Partien von Fabien Vorangers Verkäufer und Francesco Riccis Buchhalter.

Eine Stunde ORAKEL kommt einer Offenbarung gleich. Das am 25.11.2016  in Dresden uraufgeführte Stück von Joseph Hernandez hätte das Potenzial zu ganz großem Theater – würde es nicht schon täglich in unzähligen Büros auf der Tagesordnung stehen.    

Weitere Veranstaltungen: 1.,7.,9. und 10.12. (2x) 2017

quelle kulturreporter.de
Rezension der Vorstellung vom 25.11.2016