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Othello - von William Shakespeare – Staatsschauspiel Dresden - Großes Haus | Alle Veranstaltungen

 

Othello

„Monster, barbar, thicklips, black ram“. Mit diesen obszönen Begriffen belegt Shakespeare seinen Titelhelden. Gemeint ist der Fremde, dessen Identität uneindeutig bleibt – Maure, Moor of Venice, Berber. Gestrandet in Venedig, der schillerndsten Ikone der abendländischen Welt, liest sich Othellos Biografie wie das Schicksal eines Flüchtlings, der sich heute aus Afrika, Syrien oder Afghanistan auf den Weg nach Europa macht oder gemacht hat – fremd, traumatisiert durch Krieg, Flucht und Folter. 

 

Bei Shakespeare gipfelt dies zunächst einmal in einer märchenhaft ­anmutenden Erfolgsgeschichte der Anpassung und Integration eines entwurzelten Fremden: geflohen vor Krieg und Gewalt, wird er General der venezianischen Armee. Doch das Bild trügt. Denn eben in dieser brisanten Opposition zwischen Eigenem und Fremden nimmt die Tragödie ihren katastrophalen Verlauf: Othello wird nach Zypern entsandt, um die venezianische Garnison im Mittelmeer gegen türkische Angriffe zu verteidigen. Zypern steht bei Shakespeare für jenen Schwellenort, so der Anglist und Amerikanist Bernhard Klein, „an dem die militärische und moralische Konfrontation zwischen West und Ost, zwischen Christentum und Islam, oder grundsätzlicher: zwischen Zivilisation und Barbarei, ausgefochten werden soll.“ 
Auf obskure Weise durchbricht Othello geografische, magisch-irdische, kulturell-ethnische Grenzen. Das macht ihn – sozialisiert im Krieg, gefangengenommen, als Sklave verkauft und schließlich als Feldherr respektiert, verheiratet mit einer weißen, venezianischen Frau – für seine Umwelt in vielerlei Hinsicht zur Projektionsfläche für kulturelle, ethnische, moralische und sexuelle Phantasmagorien und Ressentiments.

Regie Thorleifur Örn Arnarsson

quelle: staatsschauspiel dresden