Gesprächsrunde |

SCHALOM! – Deutsches Hygiene-Museum Dresden | Alle Veranstaltungen

 
SCHALOM!
Angesichts der Flüchtlingswelle, die sich in der Wendezeit von Ost nach West bewegte, erscheint es fast als historische Fußnote, dass im selben Zeitraum nicht wenige Menschen Zuflucht in der DDR suchten: Heute stammen – besonders in den neuen Bundesländern – die Mitglieder der Jüdischen Gemeinden oft mehrheitlich aus der ehemaligen Sowjetunion oder ihren Nachfolgestaaten. Infolge des wachsenden Antisemitismus und politischer wie wirtschaftlicher Unsicherheit, reisten von dort mehr und mehr Juden Anfang 1990 in die DDR ein.
Eine Diskussionsrunde mit dem damaligen Ministerpräsidenten Lothar de Maiziére wirft fast 25 Jahre danach einen Blick zurück und auf heutige Perspektiven. Da die DDR nie die Genfer Flüchtlingskonvention unterschrieben hatte, verfügte der Staat über kein gültiges Asylgesetz. Die rasanten Entwicklungen erforderten jedoch eine schnelle politische Entscheidung. Die damalige DDR-Regierung unter Lothar de Maizière verabschiedete deshalb am 11. Juli 1990 ein Gesetz zur Gewährung der Einreise und des dauerhaften Aufenthaltes für Juden aus der ehemaligen Sowjetunion. Diese Gesetzgebung wurde anschließend nicht in den Einigungsvertrag übernommen und brachte nach der Wiedervereinigung neue Diskussionen um die Aufenthaltsbestimmung von sowjetischen Juden mit sich. Im Januar 1991 einigten sich dann die Bundesländer auf der ersten gesamtdeutschen Ministerpräsidentenkonferenz auf eine bis 2004 geltende Einreiseregelung.
Mit der Berufung auf das Kontingentsflüchtlingsgesetz durften alle die Bürger aus der ehemaligen Sowjetunion einreisen, die ihre jüdische Identität nachweisen konnten. Dadurch bekamen vor allem in den neuen Bundesländern kleiner gewordene jüdische Gemeinden neue Mitglieder und neue Aufgaben. Wie genau sich das Gemeindeleben unter diesen veränderten Bedingungen heute gestaltet, ist eine der Fragen, um die es an diesem Abend in kurzen Vorträgen und einer anschließenden Diskussion gehen soll.
 
Referenten: Dr. Lothar de Maizière, Rechtsanwalt, Berlin, erster demokratisch gewählter und letzter Ministerpräsident der DDR
Dr. Karen Körber, Soziologin, Goethe-Universität Frankfurt a.M., Fellow der Akademie Migration und Diversität, Jüdisches Museum Berlin
Johanna Stoll, Jüdische Gemeinde Dresden, früher Sächsischer Flüchtlingsrat e.V.
Moderation: Franziska Köhler, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Außenstelle Chemnitz
Wann: 17. September, Mittwoch, 19 Uhr
Wo: Deutsches Hygiene-Museum
Eintritt: frei