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Schöne neue Welt (Aldous Huxley) – Staatsschauspiel Dresden - Großes Haus | Alle Veranstaltungen

 

Als Aldous Huxley 1932 seine düstere, utopische und durchaus auch satirische Vision einer zukünftigen Gesellschaft schrieb, hatten die größten Katastrophen des 20. Jahrhunderts noch nicht stattgefunden. Doch mit dem Gespür des Schriftstellers für die kommenden Dinge entspann er eine Geschichte, die davon handelt, wie eine Weltgesellschaft sich an den Rand des Abgrunds bringt – und aus den Trümmern eine neue Ordnung schafft. Doch eben diese Ordnung – die schöne neue Welt – ist bei Huxley kein besserer Entwurf, sondern ein neuer Ausbund an Irrsinn. Huxley zeigt uns eine Welt, die den Giga-Kapitalismus pflegt. Bei ihm hat sich das Primat der Wirtschaftlichkeit und der Verwertbarkeit, der Nützlichkeit zur alles beherrschenden Maxime fortentwickelt. Selbst die ersten und letzten Dinge werden unsentimental nach ihrem Nutzen und Zweck behandelt: Menschen werden industriell gezeugt, durchleben ein Arbeitsleben und werden mit 60 in die „Letalkammer“ geschickt (wobei man die organischen Materialien recycelt). Der freie Wille ist abgeschafft, die Gesellschaft auf einem ständigen, staatlich verordneten Drogentrip, Krankheit und Unglück gelten als überkommen. Kunst und Kultur sind überwunden – man schaut stattdessen Fühlfilme. In diese Welt hinein stolpert John, ein Wilder, wie es heißt. Huxley stellt ihn uns als Figur im Geiste Parzivals vor; ein Fremder, Neugieriger, der sein Glück sucht in einer Welt, die er nicht kennt, die ihm aber vieles verheißt. Mit Johns Augen erleben wir die schöne neue Welt und durchmessen die Abgründe, die in ihr lauern, lernen ihre Verführungen kennen und das wahre Gefüge und Geheimnis ihrer Macht.

(Text Staatsschauspiel Dresden)