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Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus – Staatsschauspiel Dresden - Kleines Haus | Alle Veranstaltungen

 

Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus

„Jetzt ist das Glück ausgebrochen, ja? Es gibt Wurst und Bananen. Wenn sich das Freiheit nennt, dann brauche ich diese Freiheit 
nicht. Sie haben das Volk erniedrigt bis zum Gehtnichtmehr, wir sind Sklaven. Unter den Kommunisten hat die Köchin den Staat regiert – heute sitzen nur Banditen im Parlament. Die gehören ins Gefängnis. Beschissen haben sie uns mit der Perestroika!“ Im aktuellen Buch der Litera­turnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch kommen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion zu Wort, die sich von der Geschichte überrollt, gedemütigt und betrogen fühlen. Sie verzweifeln an der Gegenwart und verklären die sozialistische Vergangenheit. Sie denken nach über das Wesen von Freiheit und warum viele von ihnen mit der postsowjetischen Freiheit nicht zurechtkommen. 25 Jahre nach dem Zusammenbruch des Imperiums stellen sie traurig und wütend die Frage, was von den Verheißungen der Demokratie und des Kapitalismus übrig geblieben ist. 
Das Projekt der Bürgerbühne versammelt Frauen und Männer aus der ehema-ligen Sowjetunion, die heute in Dresden leben. MitSwetlana Alexijewitschs dokumentarischer Prosa verleihen sie ihren eigenen Erinnerungen Ausdruck, die Worte der Protagonisten in „Secondhand-Zeit“ könnten ihre eigenen sein. Zugleich wirkt der Text wie ein Kommentar auf das Leben in Dresden nach 1989 und die bis heute spürbaren Folgen des tiefgreifenden Systemwandels, die sich niederschlagen in einem Gefühl des Benachteiligtseins, in Wut und Misstrauen gegenüber der Demokratie und allem Fremden.

Quelle: Staatstheater Dresden