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SIR ROBIN & THE LONGBOWMEN (D – Beatpol Dresden | Alle Veranstaltungen

 

Sicher, Grandpa Rock ist in die Jahre gekommen, hat seine Helden verloren, kultiviert lediglich noch den eigenen Status Quo. Befindet sich sozusagen in einem Raum-Zeit-Kontinuum, in welchem alle vergangene, gegenwärtige und zukünftig entstehende Musik als gesamtheitlicher Brei in einem einzigen großen Topf landet. Und ja, auch Sir Robin & The Longbowmen hängen an der endlosen Perlenkette jener Acts, die vollkommen unbeschwert angebliche Verfallsdaten negieren, sich ungeniert durch die komplette Historie zitieren. Aber was genau soll eigentlich fragwürdig sein an einer Musik, die immer wieder den Nerv neu heranwachsender Generationen trifft? Zugegeben, fast jeder der 10 Tracks auf Sir Robin & The Longbowmens gleichnamigem Debüt-Vinyl ist gleichzeitig auch ein verflixtes Ratespiel: "das kenn ich doch...", "das ist doch aus...". Und schon das überaus stimmige Intro mit Exotik-Instrument Nr. 1 Sitar lässt eine gewisse Formelhaftigkeit vermuten. Doch während die Nadel Rille um Rille abtastet, stellt sich zunehmend ein merkwürdiger Schwebezustand ein. Tagträumerische Schwerelosigkeit breitet sich aus. Klanggewordene, luftige Mobiles drehen sich um eine unsichtbare Achse im Raum. Denn Sir Robin und die Seinen haben die Coolness mit den berühmten Löffeln gefressen, schlingern souverän durchs stilistische Klischee. Wenn schon Blaupause, dann richtig. Bei allen Querverweisen geht es hierbei vor allem um das kreieren origineller Stimmungsbilder. Kein Ranschmeißen an den alten Affen Gefälligkeit. Nichts ist irgendwie spektakulär, oder aufs erste ungewöhnlich, aber alles kommt genau auf den Punkt, ist ästhetisch und inhaltlich ausgeformt. Ist staunenswert stimmig und konzentriert. Sir Robin & The Longbowmen setzen auf effektive Spannung, auf Subtilität und Intensität. Auf das bestmögliche austarieren tatsächlich vorhandener Substanz. Knödeliges Selbstmitleid so mancher regionaler Standgas-Musiker, sowie herbeigedachte künstlerische Erleuchtung ist ihnen dabei so fremd wie nur irgendwas. Auch textlich wird Aufgeblasenes tunlichst vermieden, geht es um "Abgründe und Lichtblicke", um mit Ein-, Zwei- und Dreideutigkeiten angereicherte Lakonie.

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