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Deutsche Arien und Kammermusik von Händel

Solistischer Gesang von Frauen stellte zu Händels Zeiten bei aller Begeisterung für schöne Stimmen eher die Ausnahme dar. Eine gewichtige Rolle spielte das Pauluswort (1. Brief an die Korinther 14,34), häufig unzureichend, dafür aber weitreichend zitiert als: Das Weib schweige in der Kirche. (Viel zutreffender wäre eine Übertragung des Altgriechischen als: Die Frauen sollen in euern Versammlungen schweigen.)

Damit war Frauen auch in künstlerischen Belangen der Zugang zum offiziell wichtigsten Zweck der Musik, dem Gotteslob, verwehrt, und die Komponisten standen vor der schwierigen Aufgabe, bei vokaler Musik entweder auf die Hälfte des Einsatzbereichs für Stimmen zu verzichten oder für Knaben zu komponieren. Schließlich führte diese Entwicklung vor allem im 17. Jahrhundert zu massenhaften Kastrationen an Jungen im Alter von ca. acht bis zwölf Jahren, allein für Neapel werden 50.000 vermutet. Durch diese grausame Art blieben schöne Stimmen für Kirche und ebenso für Oper und Konzert erhalten und waren u. a. im Dresdner Hofgottesdienst noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zu hören. Auch wenn der protestantisch aufgewachsene, in Italien zu Ruhm gelangte und ab 1710 in London lebende Händel sich in einer liberalen Stadt und Kirche befand; das Faszinosum der Kastraten war ein Kassenmagnet!

Nach seinen großen Erfolgen vor allem in der Oper erleben wir Händel mit den Deutschen Arien nach 17 Jahren Londoner rush hour ganz privat: Von wechselnden Soloinstrumenten begleitet, schildert ein pietistischer Text aus seiner deutschen Heimat »Sanfte Stille« und »Ruhige Gelassenheit«. Ob sich das Händel selbst mehr wünschte? »Meine Seele hört im Sehen« ist da schon fast visionär, die letzten Lebensjahre war Händel praktisch blind.

Es sollte sein einziger Ausflug in dieses Genre bleiben: Als komponierender Musikunternehmer wendet er sich bald wieder großformatigen Bühnen- und Orchesterwerken zu. Uns verbleiben daraus Melodien, die in der umrahmenden Kammermusik nachklingen.

Marie Friederike Schöder · Sopran
Batzdorfer Hofkapelle

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