Malerei/Grafik/Zeichnungen |

"Um Kopf und Kragen" Jürgen Schieferdecker – Kunstverein Meißen e.V. (mit Büro für Kunststücke) | Alle Veranstaltungen

 

Es gibt nur wenige Künstler, die über ihr gesamtes Schaffen so vital auf Zeit- und Kunstgeschehen reagierten und reagieren wie Jürgen Schieferdecker. Das Motto seiner aktuellen Ausstellung "Um Kopf und Kragen" erscheint so keineswegs aus der Luft gegriffen, denn Künstler, die sich ausdrücklich als politisch verstehen, sind selten geworden in der gegenwärtigen Kunstszene.

Der Dresdner Künstler Jürgen Schieferdecker ist einer von den Künstlern, deren Werk durch und durch politisch ist. Die Ausstellung würdigt das vielgestaltige Werk des Malers, Grafikers, Objektkünstlers und Plastikers mit einer kleinen präsentativen Auswahl seiner Werke zur Zeitgeschichte, die in den letzten Jahren entstanden sind. Jürgen Schieferdeckers Anspruch als Künstler war und ist den „Zeitgenossen unter die (Kopf-)Haut” zu gehen. Denn Werke, die dies nicht schon zu ihrer Entstehungszeit schaffen, können auch „später wenig Anspruch auf Interesse” erheben.

Der 1937 in Meerane geborene Künstler, der seit der Aufnahme seines Architekturstudiums 1955 in Dresden lebt und arbeitet, sorgte in der DDR immer wieder für Unruhe unter den Ffunktionären. Sie fühlten sich provoziert durch sein stetiges Bemühen, die Finger in die Wunden der Gesellschaft zu legen. Dementsprechend lang ist die Liste seiner Arbeiten, die in der DDR aus Ausstellungen entfernten worden sind.

Mit großer Lust und grafischem Entdeckertum streift Jürgen Schieferdecker auch heute noch durch die Kunstgeschichte. Er perfektioniert sein künstlerisches Vokabular weiterhin, bereichert die Grafik mit aufwendigen Drucktechniken um neue, einfallsreiche Varianten - ohne dabei „den Stachel in Schönheit ersaufen zu lassen.”

Prononciert bezieht er darin Stellung zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in den neuen Bundesländern, dem Rechtsradikalismus und der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland, aber auch zu den globalen Gefahren in einer globalisierten Welt. Zugleich wendet er sich beharrlich gegen alle Versuche, dass in der DDR geschehene Unrecht zu verharmlosen oder gar zu vergessen. Hartnäckig verficht er auch heute seinen Anspruch auf Utopie - als Antizipation einer möglichen, besseren Welt.
Quelle: Kunstverein Meissen