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Vom elenden Hackebret zum vollständigsten Instrument – Marcolinihaus Moritzburg | Alle Veranstaltungen

 

Begeistern werden sie Margret Baumgartl (Barockvioline), Luise Haugk Barockoboe), Sebastian Knebel (Cembalo) mit Musik von Telemann (Kollege und Freund Hebenstreits), Binder, Couperin und Petzold an unserem ersten lauschigen Herbstabend bei La Serata Camillo im Marcolinihaus. 

 

Vom elenden Hackebret zum vollständigsten Instrument. Pantaleon Hebenstreit, Tanzlehrer, Komponist, Musiker, erfand das Pantaleon, Großform eines Hackbretts. Gemeinsam hochberühmt sind heute leider beide ausgestorben. Wir starten einen Wiederbelebungsversuch. Zu seiner Zeit ein Superstar: Bezahlung, Anerkennung, Bewunderung phänomenal, man weiß allerhand über ihn, hat aber nix von ihm, keine Instrumente, kaum Kompositionen, wie bringt man ihn da zu Gehör. Geht also nur über Bande: Wen hat er, wer hat ihn beeinflusst, was gibt es an Spuren und Fragmenten. Hebenstreit, 1668-1750, aus Kleinheringen, musste erfolgreich werden, um sich seine Verhältnisse leisten zu können. Über Wittenberg, Leipzig, Berlin, Paris, Wien, Eisenach ging es nach Dresden mit 1.200 Thalern Jahresgehalt (165 Thaler im Jahr für WF Bach als Organist an der Sophienkirche). Das als Hackbrett, Psalterium, Salterio, Dulcimer bekannte Instrument, wurde von ihm derart erweitert und vervollkommend - Silbermann baute ihm dann sein finalen Exemplare, ca 4x1m - und so virtuos gespielt, dass die Weltpresse schrieb, Hebestreit hätte es „ ... zum vollständigsten und noch vollkommner als das Clavecin gewordene[n] Instrument“ gemacht. „ ... in deme es das warhafte Forte Piano ist, da die heutigen Fortepiano keinen Schatten davon seind.“ Sound, Tonumfang und dynamische Möglichkeiten begeisterten, und bereiteten dem Hammerklavier den Boden. Diese Alternative, Instandhaltungskosten, Modenwechsel und die enormen Schwierigkeiten seiner Beherrschung machten dem Pantaleon den Garaus.

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