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Weihnachtskrippen aus aller Welt – Stadtmuseum Pirna | Alle Veranstaltungen

 

Die diesjährige Weihnachtsausstellung zeigt rund 70 Krippen von vier Kontinenten aus der Sammlung von Marita Pesenecker (Grimma). Des Weiteren wird die Ausstellung durch rund hundert Figuren, Tiere, Gebäude und anderes Beiwerk des Berliner Bildhauers und Grafikers Joachim Dunkel (1925–2002), der aus Terrakotta eine ganz besondere Weihnachtskrippe zusammengestellt hat, bereichert.
Weitere Detaila zur Ausstellung "Weihnachtskrippen aus aller Welt" finden Sie im Stdatmuseum Pirna.
 

Exponate aus der Sammlung Marita Pesenecker

Die in Berlin geborene Marita Pesenecker studierte von 1986 bis 1990 an der Fachschule für Museologie in Leipzig und anschließend bis 1994 Kultur- und Kunstwissenschaften an der Universität Leipzig. Seit 1992 ist sie Leiterin des Kreismuseums Grimma. Seit etwa 25 Jahren sammelt sie Weihnachtskrippen, handgearbeitete Stoffe und Ostereier aus aller Welt. Sogar ihre Urlaubsziele werden nach ihren Sammelleidenschaften ausgewählt. Die Originalität, die Unterschiedlichkeit der Gestaltung, die Vielfalt des eingesetzten Materials und landestypische Besonderheiten, bedingt durch die verschiedenen Kulturen und Temperamente der Völker, wecken dabei immer wieder ihr Interesse.

Doch so unterschiedlich die Ausführungen auch sind, immer ist es das eine Thema: die Geburt Christi. Überall auf der Welt leben Menschen, die an die Weihnachtsbotschaft glauben und die ihrer Freude darüber sichtbaren Ausdruck geben wollen.

Der jeweilige Krippenbauer möchte die lange Zeitspanne und die große Entfernung, die zwischen ihm und dem Geschehen von Bethlehem liegen, überbrücken. Er holt die Geburt Christi in seine Zeit und in seine Umwelt. So tragen die Figuren die Gesichtszüge des eigenen Menschenschlages, sind also beispielsweise als Afrikaner, Indios oder Europäer gestaltet. Die Kleidung orientiert sich nicht am Wissen um die Lebensgewohnheiten der Menschen zu Zeiten Jesu, sondern es werden eigene Trachten zum Vorbild genommen. Gleiches gilt von den Gaben der Hirten und von den Tieren, die mit ihnen ziehen. Wenn also ponchobekleidete Hirten mit dem Lama zur Krippe kommen oder die afrikanische Maria sich über ihr schwarzes Jesuskind beugt, dann bedeutet das für den Krippenbauer: „Mir ist heute der Heiland geboren“.

Die Hauptfiguren jeder Weihnachtskrippe sind Maria, Josef und das Jesuskind, doch werden unterschiedliche Akzente gesetzt. Einige Krippen betonen die natürliche Mutter-Kind-Beziehung, Gott ist Mensch geworden. Maria hält das Kind auf dem Schoß, sie stillt oder windelt es. Josef steht als fürsorgender Vater dabei. Jesus ist ein Baby, das wie alle anderen Kinder gewickelt und angezogen ist. Anderen Krippenbauern ist es wichtiger, Jesu als Sohn Gottes hervorzuheben. In ihren Krippen beten Maria und Josef das Kind an. Es ist herausgeputzt und hat häufig seine Hand zum Segen erhoben. Maria wird als Mutter des Gottessohnes besonders herausgestellt.

Die Christgeburt wird ernst oder fröhlich, stilisiert oder ausgeschmückt, farbenfroh oder dezent dargestellt. Bei einigen Krippen spürt man, dass Weihnachten als ganz selbstverständliches, traditionell begangenes Fest erlebt wird, für dessen Ausgestaltung sich feste Formen gebildet haben. Bei anderen – beispielsweise bei den afrikanischen – Exponaten wird deutlich, dass dem Krippenbauer das Christentum noch etwas ganz Neues ist. Die lateinamerikanischen Krippen lassen etwas von der überschäumenden Fröhlichkeit spüren, mit der dort trotz aller Armut Weihnachten als Volksfest miteinander gefeiert wird. Allen gemeinsam ist die Freude über die Geburt Christi, der als Erlöser der Menschheit gefeiert wird.
 

Figuren zur Krippe von Joachim Dunkel

Der gebürtige Berliner studierte nach dem Zweiten Weltkrieg an den Kunsthochschulen in Berlin-Weißensee und Berlin-Charlottenburg und war Meisterschüler bei Bernhard Heiliger. Nach zahlreichen Stipendien und Preisen erhielt er 1974 seine Berufung an die Hochschule für Bildende Künste Berlin (West) für die Fachrichtung „Zeichnen und Modellieren nach der Natur“. Berlin war der Lebensmittelpunkt von Joachim Dunkel. Er ist dort noch heute sowohl in den öffentlichen Sammlungen als auch im Stadtraum präsent. Die Figuren zu seiner Krippe rechnete Dunkel nicht zu seinem eigentlichen Werk. Sie waren ausschließlich für den privaten Bereich bestimmt, für das Weihnachtsfest mit Familie und Freunden in der Altberliner Wohnung. Es war für ihn ein immer wiederkehrendes Spiel mit der bekannten Geschichte von der Geburt des menschgewordenen Gottessohnes, die auch ihn als Ungläubigen inspirierte. Begonnen hatte alles 1978. Ein neuer Brennofen in der Hochschule musste ausprobiert werden und so entstand der Kern der Krippe – Maria und Josef mit dem Kind im Stall, dazu Ochs und Esel. Bis 1990 kamen jährlich neue Terrakotten hinzu, Weihnachten 2000 gab es nochmals eine letzte Ergänzung.

Bunt und bewegt ist die Krippe, Zeiten und Regionen sind miteinander vermischt, wodurch das Geschehen eine Unbegrenztheit erfährt. Neben den römischen Legionären tanzt Roxana, die Perle des Morgenlandes, pfeifen die Musikanten von den Bergen des Apennin und ein braunhäutiger Trommler gibt den Rhythmus vor. Seit 1987 kann der Besucher im weltlichen Getriebe vor der Krippe auch den Berliner Bären entdecken, der anlässlich der 750-Jahrfeier der Stadt hineingelangte. Ein Skeptiker und ein Dieb, der sich mit einem gestohlenen Sack von der Krippe entfernt, ergänzen das Geschehen in ungewöhnlicher Weise. Engel allerdings fehlen. Statt ihrer gibt es den jubelnden Boten. Eine sehr weltliche Krippe eben, die dank der Initiative von Frau Dr. Maria Dunkel und einigen Freunden nach dem Tod von Joachim Dunkel nun auch der Öffentlichkeit zugänglich ist.

 
Quelle: Stadtmuseum Pirna