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Wohin gehen wir? Videos zum Phänomen Stadt – Motorenhalle Kultur Forum - Projektzentrum für zeitgenössische Kunst (Riesa Efau) | Alle Veranstaltungen

 

Zwar ironisiert der erste, Gauguin entlehnte und für heutige Augen zwischen Pathos und Esoterik changierende Teil des Titels sogleich die Vorstellung, auf diese Frage wirklich Antworten geben zu können, doch halten wir es auch mit Willy Brandt: Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen ist, sie zu gestalten. Dessen Nachfolger hat dann mit seinem bekannten Diktum zum Verhalten beim Aufscheinen von Visionen unabsichtlich wohl vielen Menschen eine passable Ausrede gewiesen, sich am Meinungsstreit über vorgestellte künftige Entwicklungen des Gemeinwesens so lange nicht zu beteiligen, als es nicht um den wegen nahe liegender Einrichtung von Gemeinschaftunterkünften möglicherweise fallenden Wert des eigenen Vorgartens geht.
 
Nichts weniger als das Schweigen einer Mehrheitsphantasie zu solcherart Themen soll als Problem aufgeworfen werden. Über wesentlichen Zukunftsthemen sind innerhalb der Stadtbevölkerung gerade in Dresden wieder Gräben der Verständigungslosigkeit aufgebrochen. Diese stehen einer bitter notwendigen gelebten und breiteren bügerschaftlichen Diskurskultur entgegen. Der Begriff des Sozialen im Titel des Projekts verweist darauf, dass es hier um Analysen und Vorstellungen zu Veränderungen im Zusammenleben in der Stadt geht. Andere Entwicklungsbereiche, wie bspw. vorgestellte künftige technische oder wissenschaftliche Innovationen, sind nicht direkt Thema des Vorhabens, wohl aber in ihren gedachten Auswirkungen auf das Leben und funktionieren von Stadtgesellschaft.
 
Wegen der Flexibilität des Mediums und der Aktualität der Thematik werden Videoarbeiten vorwiegend jüngeren Datums zum gegenwärtigen Stand und antizipierte künftige Entwicklungen städtischer Zivilgesellschaften gezeigt. Zur Verdeutlichung der Diskurstraditionen werden zudem einige Film- Klassiker ins Programm genommen. Spannungen, die aus Fesselung durch Vergangenes, aus Beschränkungen durch das kapitalistische System oder aus individueller oder übergreifender Unbeweglichkeit einerseits und den unabänderlichen Veränderungen, den Versuchen, diese als Subjekt zu gestalten, dem Aufkommen von Neuem und Fremden andererseits resultieren, werden nicht nur in der Ausstellung, sondern im gesamten Programm angesprochen und diskutiert. 
Quelle: Riesa e.V.