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ANTONIO LUCACIU & GÜNTER BABY SOMMER – Stadtgalerie Radebeul | Alle Veranstaltungen

 

Im Januar 2017 lud Günter Baby Sommer, seit Jahrzehnten einer der bedeutendsten Vertreter des zeitgenössischen europäischen Jazz, den Leipziger Saxophonisten Antonio Lucaciu, der eher in der Popmusik beheimatet ist und u.a. mit Clueso, Udo Lindenberg und Wolfgang Niedecken musiziert hat, zu einer konzertanten "Erstbegegnung" im gemeinsamen Spiel.

Und erstaunlich genug: Zwischen dem 1943 geborenen Günter Baby Sommer und dem 44 Jahre jüngeren Antonio Lucaciu funkte es sofort. Und auch wenn die die Genregrenzen bewachende "Jazzpolizei" aufschreit: Bei beiden Musikern entstand der Wunsch, es nicht bei dieser einmaligen Kolaboration Zu belassen. Denn das ebenso energetische wie emotionale Spiel des jungen Saxophonisten und die ebenso offenen wie hochkonzentriert druckvoll erzeugten Klang- und Percussionsräume des in radebeul lebenden Schlagzeugers erzeugen eine wunderbar sensible, komplexe und berührende Klangsprache der über Genregrenzen hinausgehenden Gemeinsamkeiten.  

Eines der bisherigen Konzerte beschrieb die Leipziger Volkszeitung so:
"Zu dem vom Jazzklub Altenburg organisierten Konzert hatte sich Sommer den jungen Saxophonisten mitgebracht und das zwischen den Beiden immerhin 44 Jahre Altersunterschied liegen, fiel dabei überhaupt nicht auf. Zum einen, weil sie musikalisch voll auf einer Wellenlänge liegen und zum anderen, weil sie sich auch menschlich bestens verstehen.

Ein jeder lässt dem anderen Raum und Zeit, um sich entfalten und glänzen zu können. Keine Spur von Schüler-Lehrer- oder gar so etwas wie Vater-Sohn-Verhältnis. Eher zwei Spitzbuben, die auf Klassenfahrt gehen und zwischendurch auch noch etwas Musik machen. Und zwar ganz außerordentlich gute Musik.

Hier der junge Saxophonist Lucaciu, der seinem Instrument mit bestechender Präzision alle nur erdenklichen Klangfärbungen entlockt und dort der bemerkenswert jung gebliebene Schlagzeuger Sommer, der mit seinem auf das Wesentliche reduzierten Drumset für klangliche und rhythmische Variationen sorgt, die so vielen seiner Kollegen mit noch viel größeren Schlagwerken oftmals nicht annähernd gelingen wollen. Aber natürlich hat sich der Schlagzeuger, wie er das immer so macht, noch jede Menge andere Dinge mitgebracht, mit denen sich Musik machen lässt und die ihn dann zu seinem ganz eigenen Percussion-Ensemble werden lassen.

Eines dieser Percussion-Instrumente, eine handwerklich hervorragend gearbeitete Holzkiste, die an den Klang eines tief gestimmten Marimbaphons erinnert, diente dann im Laufe des Konzertes Herrn Sommer auch gleich noch für einen Bocksprung. Musik hält eben jung und fit! Beide Musiker brauchen keine Noten, alles wird nur in ganz groben Zügen vor dem Auftritt kurz umrissen und der Rest entsteht dann beim Spielen im Hier und Jetzt. Kein langes Proben und festlegen auf die kleinsten Noten, sondern einfach nur freudiges Improvisieren. Dazu setzt Sommer ab und an auch seine Stimme ein und wird somit streckenweise zu einem vierten Instrument, so dass aus dem Trio eigentlich schon ein Quartett wird.

Der Meister seufzt, wiehert, stöhnt, schreit und explodiert dazu beinahe hinter seinen Trommeln. Und das Publikum hofft nach der gut einstündigen Session, das beide Musiker noch möglichst lange gesund und munter gemeinsam solch mitreißende Musik machen mögen."

Quelle: mzdw.de