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Flucht in die Finsternis – Staatsschauspiel Dresden - Kleines Haus | Alle Veranstaltungen

 


„Überhaupt weiß ja niemand etwas von uns außer den Menschen, die uns lieben“, lässt sich Robert von einem befreundeten Arzt erklären, den er in seine Sorgen um den Bruder eingeweiht hatte. In Wahrheit – wenn es denn so etwas wie Wahrheit in Seelendingen gibt – ist Robert selbst derjenige, um den sich der Leser Sorgen machen muss. Aber wieviel wollen wir von ihm wissen?
 
Schnitzlers meisterhafte „Wahnsinnsnovelle“, wie er sie zur Zeit der Entstehung von 1912 – 1917 selbst nannte, zieht uns mit erzähltechnischer Finesse in den Bann einer paranoiden Persönlichkeit und stellt die Frage, ob wir „aus der friedlosen Vielfältigkeit der Einzelfälle“ „eine Flucht ins System“ antreten dürfen.
Schnitzler bringt in seinen Dramen und Novellen das Unterbewusstsein seiner Figuren unmittelbar und drastisch zum Vorschein, wofür er häufig die revolutionäre Erzähltechnik des „Inneren Monologs“ verwendet. Oft wird er als literarisches Pendant Sigmund Freuds bezeichnet. Aufgrund seiner kompromisslosen Darstellung war Schnitzler immer wieder heftigen Angriffen ausgesetzt, sein Einakter-Zyklus REIGEN provozierte zum Beispiel den Vorwurf der Pornographie.
 
Ensemblemitglied Albrecht Goette, der zur Zeit als Musikkritiker Reger in Bernhards ALTE MEISTER und in Millers HEXENJAGD auf der Bühne steht, liest Schnitzlers Novelle vom 43-jährigen Robert, der nach langer Krankheit voller Hoffnung nach Hause zurückkehrt, wo er sich jedoch in Ängsten und Projektionen verliert.

Quelle: staatsschauspiel-dresden