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VERTIEFT
"Seit Beginn der 1980er Jahre widmet sich Markus Retzlaff konsequent der Druckgrafik; ab 1985 tritt die Ölmalerei hinzu. Beide Medien stehen in produktivem Austausch und eröffnen Wege, sich Figur, Gegenstand und Wahrnehmung anzunähern. Vertieft bezeichnet die beharrliche Beschäftigung mit dem Gesehenen und die Bereitschaft, Motive immer wieder neu zu befragen.Die Ausstellung verbindet selten gezeigte Arbeiten der 1980er und 1990er Jahre mit aktuellen Werken und macht die Kontinuität zentraler Sujets von Porträt, Landschaft und Vedute sichtbar.
In den frühen Gemälden dominieren düstere Chromatik und pastose Farbschichten. Vor allem Arbeiter aus dem Umfeld des Wismut-Bergbaus werden zu Spiegeln prekärer Lebensumstände und existenzieller Erfahrungen. Kunsthistorische Bezugspunkte findet Retzlaff in Max Beckmanns expressiver Figurenauffassung und der Neuen Sachlichkeit. Auch die frühe Druckgrafik thematisiert individuelle Erfahrung und gesellschaftliche Wirklichkeit der späten DDR – von Menschenschicksalen diesseits der Berliner Mauer bis zur militärischen Präsenz im Dresdner Stadtraum.
Der Freundeskreis um Konrad Eichler in Meißen regt Retzlaffs Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst und Dichtung an. Zur Lyrik Thomas Eichlers entstehen Radierungen für die Mappen-Edition Marktbericht (1987), die Melancholie, Groteske und gesellschaftliche Beobachtung in autonome Bildlösungen übertragen.
In den 1990er Jahren hellt sich die Palette auf, zugleich öffnet sich Retzlaffs Blick über den vertrauten Erfahrungsraum hinaus: Studienreisen führen ihn nach Indien, Kuba und China. Im aktuellen Oeuvre setzt sich diese Offenheit in der Erprobung experimenteller druckgrafischer Verfahren fort. Zugleich bleibt die topografische Landschaft um Meißen, Radebeul und vor allem Dresden ein bestimmender Gegenstand. Seine Veduten zeigen die Stadt in ihren Veränderungen und Brüchen, von der Ruine der Frauenkirche bis zur zerstörten Carolabrücke.
Die wiederholte Auseinandersetzung mit dem Gesehenen und Geschaffenen ist ein Grundprinzip seines Werks. Frühere Druckplatten werden Jahre später erneut bearbeitet: Erinnerung und Gegenwart treten dabei in ein stetig prüfendes Verhältnis, in dem das Motiv immer wieder neu wahrgenommen, befragt und gedanklich durchdrungen wird."
Katharina Arlt
quelle: volksbank-dresden-bautzen.de