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Editha Kötter: Komplexe Figuren im Ensemble – weg vom Klischee
Klischee-Figuren sind im Improtheater allgegenwärtig: Sie sind schnell griffbereit, leicht verständlich und geben Szenen eine klare Richtung. Gleichzeitig werden unsere Geschichten spannender, sobald Figuren mehr Facetten zeigen als „die Frisöse“, „der Macho“ oder „die Drama-Queen“. Genau dort setzt dieser Workshop an: bei der Lust, Klischees bewusst zu nutzen – und sie dann zu erweitern, zu verdrehen und zu durchbrechen.
In „Komplexe Figuren im Ensemble – weg vom Klischee“ geht es um Figuren, die im Zusammenspiel lebendig werden. Ausgehend von bekannten Stereotypen erforschen wir, wie Status, Haltung, Kontraste und Beziehungen Figuren Tiefe geben können. Wir schauen darauf, welche Rollenbilder wir automatisch bedienen, und wie wir Narrative abseits stereotyper Vorstellungen erzählen können, ohne die Verständlichkeit für das Publikum zu verlieren. Der Fokus liegt dabei immer auf dem Ensemble: auf dem, was zwischen den Figuren passiert, wenn sie sich begegnen, verbünden, reiben oder aneinander scheitern.
Mit Hilfe von klar gerahmten Übungen, kurzen Szenen und einfachen Formaten arbeiten wir sehr praktisch: Wir spielen Klischees bewusst groß aus, geben ihnen unerwartete Seiten, stellen sie in unterschiedliche Beziehungen und schicken sie durch Statuswechsel. So entsteht ein Werkzeugkoffer, mit dem Figuren im Laufe eines Abends differenzierter, überraschender und glaubwürdiger werden können – egal ob in Langform oder in szenischen Formaten. Theorie gibt es nur so viel wie nötig, im Mittelpunkt steht das gemeinsame Ausprobieren, Wahrnehmen und Reflektieren.
Der Workshop richtet sich an Improspieler*innen mit Grundkenntnissen, die ihre Figurenarbeit vertiefen und ihr Ensemblespiel bewusster gestalten möchten. Ideal ist er für Menschen, die merken, dass sie oft in ähnliche Rollen rutschen – und Lust haben, sich selbst und ihren Geschichten mehr Möglichkeiten zu eröffnen.
Editha ist Improspielerin, Theatermacherin und Workshopleiterin und seit 2013 in der Improszene aktiv. Sie spielt und unterrichtet vor allem in Berlin und arbeitet mit verschiedenen Ensembles auf und hinter der Bühne. Ein Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit liegt auf erzählerischer Langform und Storytelling – unter anderem mit Formaten wie „im Sinne von Brecht“ mit dem Theater ohne Probe oder „Intimacy“ mit Lee White und genreorientierten Langformen wie „Tarantino“, „Film Noir“ und „Surrealismus“.
In ihren Workshops verbindet Editha strukturiertes Handwerk mit großer Spielfreude und einem klaren Blick für Rollenbilder, Machtverhältnisse und unausgesprochene Erwartungen auf der Bühne. Sie interessiert sich besonders für Figuren, die man ernst nehmen kann: Menschen mit Widersprüchen, Humor und Verletzlichkeit, statt bloßer Typen für den schnellen Gag. Dabei legt sie Wert auf ein Arbeitsklima, in dem Teilnehmende ausprobieren, scheitern und neu ansetzen dürfen, mit viel Feedback, konkreten Tools und der Einladung, gewohnte Bahnen zu verlassen. Ihr Ziel: Improfreudige dabei zu unterstützen, Figuren und Geschichten zu entwickeln, die über Klischees hinausgehen und das Publikum wirklich berühren.
Quelle: Kulturhafen Dresden