Lambert (Piano, Electronics) Felix Weigt (Bass) Luca Martini (Schlagzeug)
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LAMBERT ist zurück. Vielleicht war er auch nie weg. Möglicherweise aber auch nie da. Es ist müßig, nachzufragen. Schließlich müsste man ihn erst einmal aufspüren, um das herauszufinden. Und man könnte nie sicher sein, ob es wirklich er ist, der hinter der sardischen Stiermaske steckt. So oder so: LAMBERT ist zurück. Er veröffentlicht ein neues Album. Er hat es I Am Not Lambert genannt. Fangen wir also damit an. I Am Not Lambert ist ein klassischer Lambert und ein weiterer Beweis für die kreative Vielseitigkeit des seit mehr als einer Dekade vielgepriesenen, vermutlich in Berlin lebenden Pianisten, Komponisten und Produzenten. I Am Not Lambert ist aber auch ganz anders, denn es ist sein erstes Album mit Gesangsparts, mit richtigen Songs, wenn man so will. „Meine Musik war schon immer songorientiert”, sagt er. "Es fühlte sich für mich äußerst natürlich an, nun zu sehen, ob meine Musik auch in der klassischeren Form eines Songs funktioniert. Songs machen einen großen Teil dessen aus, was ich höre, daher ist diese Art von Musik einfach ... ich weiß nicht ... ehrlich?" Sicher ist: Seit nunmehr neun Alben spielt Lambert nun schon mit Identitätsfragen, obwohl seine Maske ursprünglich schlicht aus dem Wunsch hervorgegangen war, seine musikalische Vergangenheit hinter sich zu lassen. "Ich wollte nicht, dass die Leute etwas über mich wissen", gesteht er in Bezug auf sein selbstbetiteltes Debütalbum aus dem Jahr 2014. "Ich wollte reinen Tisch machen." Doch die Kopfbedeckung entwickelte ein Eigenleben, wurde zu einem Emblem und einem Köder, und wenn Lambert darüber nolens volens zu "The Man In The Mask" wurde, passte ihm das doch ziemlich gut in den Kram. Tatsächlich können bis heute nur wenige sagen, wer sich hinter dieser Maske verbirgt. Auch wenn er die Maske abnahm, zum Beispiel am Merch Stand nach den Konzerten, blieb er schwer zu erkennen und warf weitere Fragen auf: Könnte er auch ohne Maske LAMBERT sein? Und falls nicht, würde seine Musik weiterleben? Oder: wäre es noch seine Musik, wenn er unmaskiert aufträte? Um das herauszufinden, begann er, seine "Uniform" abzulegen – wenn auch nur während einiger weniger Performances –, aber auch dies erwies sich als ambig. Niemand hatte wegen der Maske Tickets gekauft. Und doch bemerkte er, wie seine Unmaskiertheit sein Publikum beeinflusste. Glücklicherweise kam er zu einem Schluss. "Was zählt, ist, das zu tun, was ich immer getan habe: mit Ideen zu spielen und gleichzeitig zu schreiben, nach Pop zu suchen, wo es nicht so viel davon gibt. All das andere ist nicht so wichtig." Hier also die Schlagzeilen: LAMBERT ist zurück. Auf dem Cover seines neuen Albums sieht man ihn, wie er seine Maske abnimmt. Zum Vorschein kommt nicht Lambert, der Lambert ist, und auch nicht Lambert, der nicht Lambert ist. Was man wohl aber sagen kann, dass I Am Not Lambert die ehrlichste Lüge ist, die Lambert je erzählt hat. Und sein versatilstes Album.
Quelle: Jazzclub Tonne