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Mit Comics ist es wie mit Filmen: Alle schauen auf die Handlung, auch die Bildsprache wird gerühmt, aber nur wenige merken, welch große Rolle Architektur oft dabei spielt. Die bauliche Umgebung der erzählten Geschichte ist in vielen Fällen nämlich nicht nur bloßer Hintergrund, sondern hat erheblichen Einfluss auf das, was erzählt wird. Manchmal wird die gezeichnete Architektur sogar selbst zur Akteurin. Hinzu kommt, dass Comiczeichner – ähnlich wie Set-Designer beim Film – architektonische Träume (und Alpträume) virtuell verwirklichen und bauliche Visionen zu Ende denken können. Das viertägige Literaturcafé zeigt und diskutiert die prägnantesten Beispiele hierfür aus den letzten 40 Jahren, vor allem innovative Autorencomics aus Frankreich und Belgien, aber auch einzelne z.T. experimentelle Beiträge aus den USA und Japan.
Kurator und Vortragender: Prof. Dr. Hans-Georg Lippert
Termine:
Mo., 20.04.2026, 18:30 Uhr: Von Slumberland nach Brüsel. Eine architektonische Reise durch die Welt der Frames und Panels.
Comics, Graphic Novels, Bande dessinée und Mangas gibt es seit dem 19. Jahrhundert; im französischen System der Künste werden sie heute als die „9. Kunst“ geführt. An diesem Abend geht es einführend um die allgemeine Geschichte dieser Kunstgattung, um die Art, wie Architektur dabei verwendet wird und um die verschiedenen Genres, die sich daraus entwickelt haben
Di., 21.04.2026, 18:30 Uhr: Aus dem Privatleben der Ikonen. Graphic Novels über Star-Architekten und ihre Bauten.
In der westlichen Kultur gab es immer wieder Architekten, die ihre eigenen Markenzeichen geschaffen haben: zeichenhafte Bauten, denen man sofort ansieht, wer sie entworfen hat. Comic-Autoren wie Andreas Martens, Andreas Müller-Weiss oder Lucas Harari hat das zu Geschichten über Le Corbusier, Mies van der Rohe, F. L. Wright oder Peter Zumthor angeregt, und in den 1970er Jahren gab es sogar Architekturbüros wie Archigram, die ihre Projekte in Form von Comics präsentierten.
Mi., 22.04.2026, 18:30 Uhr: Wie es auch hätte sein können. Spiegelwelten und kontrafaktische Geschichte
Comics sind ein ideales Medium zur Imagination von fiktiven Welten. Mit viel Zeit und dem Mindset der Postmoderne lassen sich sogar ganze Kontinente erschaffen, mit eigener Ästhetik und eigener Geschichte, die unserer Realität auf verblüffende Weise den Spiegel vorhalten. François Schuiten und Benoît Peeters („Die geheimnisvollen Städte“), Corbeyran & Chabbert („New Byzance“, „New Harlem“) oder Serge Lehman und Stéphane de Caneva („Metropolis“) haben jeweils auf ihre Weise daraus ein bildmächtiges, geradezu monumentales Œuvre geschaffen.
Do., 23.04.2026, 18:30 Uhr: Kafka lässt grüßen. Architektur als Ausdruck einer beunruhigenden Innenwelt
Surreale Szenerien, absurde Vorgänge, innere Abgründe oder das hermetische Gefangensein in sich selbst sind schon im frühen 20. Jahrhundert zum Gegenstand der Literatur und der Malerei geworden, und inzwischen widmet sich auch der Comic diesen Themen. Beispiele dafür sind die auf den Erzählungen von Franz Kafka aufbauenden Alben von Marc-Antoine Mathieu („Le processus“, „La Qu…“, „L’Origine“) oder die hochkomplexen Bildwelten von Chris Ware („Jimmy Corrigan“, „Building Stories“). Wenn dann auch noch exzellente Zeichenkunst dazukommt…
Quelle: Kulturpalast Dresden
Termine
- 20.04.2026 18:30 Zentrum für Baukultur Sachsen
- 21.04.2026 18:30 Zentrum für Baukultur Sachsen
- 22.04.2026 18:30 Zentrum für Baukultur Sachsen
- 23.04.2026 18:30 Zentrum für Baukultur Sachsen