Lesung / Vortrag / Gespräch
DER GROSSE NEWCOMER-LESEABEND In Kooperation mit der Universität der Künste Berlin
SocietaetstheaterKeine Termine
An diesem Abend kommen vier neue künstlerische Stimmen zu Wort. Die Autor:innen studieren aktuell an der Universität der Künste Berlin im 17. Jahrgang Szenisches Schreiben bei Dramaturg und Schriftsteller John von Düffel. Sie lesen ihre Texte zum Thema Einsamkeit, Beziehung oder Rassismus und reflektieren darin über das, was sie in der Gesellschaft wahrnehmen und erleben. Freut euch auf einen spannenden Abend!
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Text 1: ALLEIN von Laura Schinzel
Inhaltsangabe ALLEIN von Laura Schinzel
Allein ist nicht einsam. Wer hat entschieden, dass es neben der Frau ohne Partner:in eine Lücke gibt, die gefüllt werden muss? In dem Stück ALLEIN wird niemand wachgeküsst. Stattdessen wecken sich die Figuren gegenseitig aus dem (Alb-)Traum auf, all ihr Glück in der einen wahren Liebe finden zu müssen. Aus den Untiefen der Geschichte tauchen Frauen auf, die sich an Spinnrädern finanzielle Unabhängigkeit erarbeiteten; die sich „ein Zimmer für sich allein“ erkämpften; die Liebe jenseits des romantisch verklärten Ideals der Ehe suchten. Die Figuren spüren gemeinsam der politischen Kraft ihres Alleinseins nach und laden das Publikum dazu ein, neue, vielleicht erfüllendere Lebensentwürfe zu erkunden.Text 2: BOYFRIENDS (AT) von Nika Matteo Hauger
Nika Hauger (they/them) diskutiert das Thema frau*. »Boyfriends« umfasst verschiedenen Perspektiven auf trans- und nonbinäre Personen, auf weibliche Sozialisation und Frau als gesellschaftliches Konstrukt.
B: Es existieren falsche Erzählungen.
Ich spüre, ich bin kein Mann
Ich spüre, vielleicht bin ich eine Frau oder weder Mann noch Frau.
Ich spüre, ich möchte weiblich geformte Brüste, richtige Titten, Körbchengröße Doppel D.
Ich möchte ein anderes Gefühl an der Brust
Ich möchte, dass alle Frau zu mir sagen.
Fertig.
Text 3: MAUS, GELD, GESPENST von Sunan Gu
Eine Geschichte zwischen Berlin und Beijing. Kleine Anekdoten aus den Leben von fünf Menschen: Lin (24), Lins Bruder Ming (36), Sarah (27), Herr Maus (52) und Feng (27). Sie chatten, sie denken, sie teilen Bruchstücke ihrer Wirklichkeit zwischen Kosmopolitismus, Isolation und unermüdlichem Lebenwillen.
Ming: In meinem kleinen Dorf nannten mich die Leute immer den netten Jungen aus der Familie von Herrn Liu. Ja, ich war immer nett. Das Wort „nett“ klingt in der lokalen chinesischen Kultur nicht gut. Es meint jemanden, der nicht klug ist und nicht flexibel. Dieser schlechte Ruf änderte sich jedoch, als ich in der 6. Klasse der Beste wurde. Ich habe sogar ein Jahr übersprungen und bin direkt in die 8. Klasse gekommen. Danach nannten sie mich den klugen Jungen. Die Leute brachten 50 kg geschmorte Schweinshaxen, 20 Töpfe Rindersuppe und sogar 5 gekochte Schweineköpfe ins Dorfzentrum, um meinen Eintritt in die Universität zu feiern. Wir aßen gemeinsam an einer großen, langen Tafel. Ich war sehr stolz darauf, der erste Universitätsstudent aus meinem Dorf zu sein. Alle sagten, ich werde eine glänzende Zukunft in der Stadt haben.
Text 4: DA LIEGT EIN HERZ von Leah Luna Winzely
ich überfahr euch eh
und die pedale singen ein duett
mit ihren zarten füßen
und die luftmoleküle beginnen zu tanzen
und die schalwellen breiten sich aus
schwingen
verbinden sich
zu einem klang
der voll und ganz ist
und trifft
mitten
hinein
in das herz
das da offen auf der straße liegt
und eigentlich möchte ich weiterfahren
alles überfahren
ampel
6
7
8
9
10
aber da liegt
ein herz
ein herz
pocht mich unschuldig an
ein herz
zwingt mich zu bremsen
ein herz
schlägtQuelle: Societätstheater